Dienstag, 12. Dezember 2017

Ist eine Lebensversicherung sicher?

Egal ob kapitalbildende #Lebensversicherung (KLV), fondsgebundene Lebensversicherung (FRV) oder die gleichen Produkte als #Rentenversicherung (KRV & FRV), die Sicherheit lässt sich immer nur bis zu einem bestimmten Punkt bewerten.
Fondsgebundene Versicherungen (FRV & FLV)  möchte ich im heutigen Artikel außen vor lassen, da das Anlagerisiko hier oft vom Kunden getragen wird, der dafür aber auch höhere Renditen bekommt. Außerdem kann sich hier jeder seine Sicherheiten selbst bauen. Dieser Typ Anleger ist halbwegs informiert, weshalb nur die KLV und die KRV zur Bewertung bleiben.

Sind klassische Policen sicher?


Die Antwort ist ein klares Jein. Es gibt eine unzählige Menge Gefahren da draußen, einige davon kennen wir nicht einmal. Demnach ist es unmöglich eine universal gültige #Sicherheit zu suggerieren ohne sich zum Idioten zu machen.
Aber man kann prüfen ob aus der Vergangenheit gelernt wurde. Wenn wir ins Jahr 2008 zurück springen, dann gab es damals die Subprime-Krise, ausgelöst durch eine Verkettung unglücklicher Umstände, die sich auf beschissene Bewertungsverfahren (rating failure) und versaute Produkte zurückführen lassen.

Strukturierte Anleihen als Ursache des Bösen


Es waren die Asset Backed Securities (#ABS), Credit Linked Notes (#CLN) und Credit Default Swaps (#CDS). Diese strukturierten Anleihen haben alle etwas mit Laufzeiten, Krediten und Ausfallwahrscheinlichkeiten zu tun. Im Prinzip bekommt der Anleger einen Zins dafür, dass er Geld verleiht und weiß, dass nicht alle die Rückzahlung schaffen werden. Aber der rückgezahlte Anteil und der Zins sollten größer als der Verlust sein.
Leider kam es damals anders, denn gierige Bankster sowie doofes Vermittler-Pack haben angefangen Produkte auf den Markt zu werfen, die sie nicht mehr verstanden. Da wurden faule und gute Kredite zu Bündeln geschnürt, die anderen weiterverkauft wurden, die sie zu neuen Bündeln schnürten, die weiterverkauft wurden... Und je nachdem wer es wie eingewertet hat, konnte die Bonität besser oder schlechter ausfallen, die Regeln war damals sehr locker. Also wurden haufenweise faule Kredite in kleinen Mengen beigemischt um die Top #Bonität Investment Grade nicht zu gefährden. Leider war sowohl die Bewertung der faulen Kredite als auch die Zusammenschnürung stümpferhaft.Tipp: Wer Subprime wörtlich übersetzt, der bekommt einen faden Beigeschmack über die Werthaltigkeit dieser Anlagevehikel...

Dann kam der Fall durch die Subprime Krise


Ähnliches Foto

Erste Kredite konnten nicht bedient werden. Vereinzelte Produkte erleideten Verluste, Abstufungen folgten, Produkte wurden veräußert, Kredite fällig gestellt (sprich die Zahlungsforderung von der Bank ververlegt), weitere Kredite platzten usw.
Und irgendwann kamen die Handelspartner auf den Trichter, dass man sich diese toxischen Papier nicht mehr gegenseitig unterjubeln kann. Doch da war es schon zu spät. Verzockt hatten sich diverse kleine Institute. Tragisch war aber die ehemalige Großbank #Leman Brothers, die sich so hart verzockt hat, dass sie in die Pleite gerutscht ist. Auf der offiziellen Homepage von Lehman Brothers logischerweise nicht mehr so viel, weshalb man als Quelle Wikipedia o. Ä. bemühen muss.
Auch deutsche Sparer waren betroffen und verloren eine Menge Geld. Diverse Versicherungsgesellschaften wurden notleidend. Der ehemals größte Erstversicherer der Welt, die American International Group (#AIG) brauchte staatliche Subvention um nicht das Schicksal von Lehman zu teilen. Darüber findet sich auf deren HP aber wenig, weshalb der geneigte Leser auch hier eher Wikipedia zur AIG durchforsten sollte.

Und gibt es heute bessere Sicherungsmaßnahmen?

Auch hier ein klares Jein. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungaufsicht, kurz #BaFin, ist Deutschlands oberste Behörde, die sich Finanzmarktthemen annimmt. Es war in deren aktuellem BaFin Newsletter vom 12.12.2017, wo ich auf das Thema aufmerksam wurde. Zugegeben, habe mich länger nicht damit befasst aber deshalb tat es Not zu schauen welche Sicherungsmaßnahmen aktuell gelten.

1. Gute Erkenntnis, die Sicherheit hat an oberster Stelle zu stehen, gefolgt von Liquidität



Klingt erstmal gut, oder nicht? Ist es aber nur bedingt, deshalb in rot markiert, denn diese Regeln galten schon immer. Und die dauerhafte Liquidität geht überhaupt nicht, weshalb es dazu seitenweise Einschränkungen gibt, welche dieses Gebot auflockern. Gleiches gilt für Sicherheit, es folgt fieses Kleingedrucktes...

2. Als sicher gilt alles mit der Mindestens-Bonität Investment Grade




Was sich erstmal gut liest, ist eigentlich glatte Verarsche. Denn Leman Brothers hatte kurz vor dem Zusammenbruch noch eine super Bonität, dabei hat z. B. das oberste Gericht Australiens - wie viele andere - klargestellt, dass die Höchstbewertungen als Gefälligkeit an zu sehen sind, welche die Gefahr absurd an der Realität vorbei geführt haben.

Fassen wir also zusammen: Rating kommt von Raten und ist für den Allerwertesten!

3. Zum wertlosen Rating darf die Versicherung noch ein eigenes erstellen



Nein, das ist kein Witz, Sie können es ja nachlesen. Wenn die Versicherung bei der eigenen Bewertung eine bessere Einschätzung bekommt, dann kann sie diese verwenden. Als Referenz dienen dabei anerkannte Agenturen. Dumm nur, dass es keine Liste gibt. Dumm auch, dass #S&P - die mit dem 'unglücklichen' Lehman Brothers Rating -  mal anerkannt waren. Ach Mist, immer noch sind...

Also vergessen Sie bitte Ratings, völliger Unsinn, wie die Realität beweist.

4. Verpacken darf man den Mist aber nicht mehr nach Belieben



Die Begrenzung von den 3% gab es vorher auch schon, nur dass durch kriminelle Verschachtelung diese leicht umgangen werden kannte. Dagegen hat sich die BaFin tatsächlich mal etwas Kluges einfallen lassen, denn es werden jetzt Aufrechnungen durchgeführt. Sprich mit vielen kleinen Vehikeln kommt man in Summe schnell auf die 3%. Das ist tatsächlich gut und sinnig! Spannend bleibt nur die Frage für welche Finanzinstrumente in der nächsten Krise wir das hätten im Vorfeld wissen müssen. Naja, man kann ja nicht alles wissen und - Originalzitat von mir aus dem Deutschlandradio - das Leben ist voller Risiken.

Und da die Finanzinstrumente nicht nur auf Produktebene sondern auch beim Emittenten versagen können, haben sich die Finanzmarktwächter noch was Kluges einfallen lassen.

Das Zusammenrechnen von verschiedenen Kleinstschuldnern (z. B. Firmenkonstrukte durch Tochterfirmen) ist ebenfalls möglich. Klug durchdacht, zumal diese Schutzfunktion produktunabhängig funktioniert.

5. Bei allem Lob gibt es auch Grund zur Kritik



 Es mag kleinlich klingen aber ich störe mich daran, dass nicht der bei uns geltende, zumeist überdurchschnittlich verbraucherfreundliche, Standard eingehalten wird.
Will aber gar nicht lange darauf rumreiten, denn die Grenzfälle hier sind überschaubar und vom Volumen wohl kaum in der Lage eine Subprime Krise aus zu lösen.

6. Die Zockerei mit den ABS muss aufhören



Mal ernsthaft, fast jeder Staat auf der Welt - Nordkorea mal außen vor - ist OECD Mitglied, womit quasi alles als besicherter Realkredit durchgehen kann. Und es gibt auch diverse Länder, mit denen möchte ich keine Kassaininstrumente zulassen.
Ein Kassaininstrument ist ein sehr kurzfristiger Vertrag (z. B. max. 2 Tage) mit fixen Spannen. Im Prinzip eine Art Inter-Geldhandel. Hier wurden teils dreistellige Millionenbeträge bewegt. Wenn da mal einer ausfällt, kann das ganz schön schnell eine Lawine ins Rollen bringen.
Hier erkenne ich aus der Praxis leider keine sinnvolle Beschränkung bzw. vorbeugende Maßnahmen. Im Gegenteil, kann doch auch hier die Versicherung krude Eigenbewertungen vornehmen...

Fazit: Ist die Lebensversicherung (KRV & KLV) sicher?


Jein mit klarer Tendenz zum Nein. Die o. g. sind störend. Ich halte sie in der Masse für geeignet um einer erneuten Subprime Krise entgegen zu wirken, auch wenn der letzte Absatz eher wenig Mut macht. Aber das löst nicht die immensen anderen Probleme, welche diese Art von Verträgen aufwirft.
Also eher nein, die KLV & KRV sind nicht sicher, wobei die Ursachen im Zinsniveau, der Inflation und den Kosten zu suchen sind. Die o. g. Punkte sind lediglich der Tropfen auf dem heißen Stein. Andere Artikel dazu werden folgen.

Natürlich sind Versicherungen durchaus für die Altersvorsorge geeignet, aber man muss einen guten Vertrag finden, der obendrein passen muss. Kapitalbildende Lebensversicherungn und Rentenversicherungen mit Überschussbeteiligung in Zinsen sind Geldvernichtungsmaschinen. In bald 15 Jahren hat ich keine fünf Fälle, wo diese Produkte für den Anleger oder Altersvorsorgesparer sinnvoll waren. Es gab immer klügere Lösungen, teils sogar bei der gleichen Versicherung.

Darf man jetzt pauschal zur Kündigung solcher Verträge raten?


Nein, ganz sicher nicht. Es gilt zu prüfen. Denn egal wie schlecht diese Verträge auch sein mögen, und sie sind in der weit großen Mehrheit wirklich schlecht, wenn deren Kosten bereits bezahlt sind, sie steuerfrei sein sollten und einen hohen Garantiezins (mindestens 2,75%) haben sollten, dann könnte eine Fortführung wirtschaftlich sinnvoll sein. Dafür muss man aber rechnen, Scheißhausparolen bringen hier niemanden weiter. Drum prüfe, wer kein Geld in brennende Häuser tragen will...