Mittwoch, 2. März 2011

Carpe Diem - Und der nächste Schlag folgt sogleich!

Jeder kennt sie, diese Typen in Nadelstreifen: Jung, dynamisch, erfolglos. Zugegeben, vor vielen Jahren habe ich auch so angefangen. Oder positiv formuliert, nur ein alter Gauner erkennt ob er einem gegenüber sitzt. Carpe Diem bedeutet so viel wie "nutze den Tag". Ohne Latein zu beherrschen behaupt ich aber, dass Carpe Pedis angebrachter ist, nutze die Füße...

500% in zehn Jahren

Da wohl also wieder ein gutgelaunter Berater, welcher im Urlaub ein Ehepaar kennen gelernt hat. Den Betrag von 25.985€ wollte er binnen zehn Jahrena auf 140.000€ erhöhen. Risikofrei, versteht sich doch von selbst. Eine Beteiligung bei der nichts schief gehen kann, liegt ja nicht im Wesen von Unternehmungen, dass Risiken enthalten sind. Ups. Langer Rede kurzer Sinn, die ganze Kiste geht in die Binsen. Nachzulesen in folgendem Urteil: 20.08.2010, Az.: 32 O 568/09.
Das LG Aschaffenburg gibt dem Vermittler schuld, da er sich mit der eingängigen Fachpresse, i. d. F. Stiftung Finanztest, zu beschäftigen habe. Dort wurde vor der Anlage gewarnt und auch dass es sich um ein Schneeballsystem handele (Anm. d. R.: der Begriff fällt zu leicht!) stand dort. Er hat sich also ein Verschulden aus dem Beratungsvertrag zu stellen, welcher mündlich zu Stande kam, weil das Eherpaar in vertrauter Atmosphäre beim Urlaub angesprochen wurde.

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, Dummheit auch nicht

Blöd nur, dass das Ehepaar akademisch Bildung hat und die Richter behaupten, dass Renditen von 500% in zehn Jahren durchaus als unrealistisch einzustufen sind, erst recht von Hochschulabsolventen. Mitschuld des Paares 50% und entgangenen Gewinn können sie auch nicht geltend machen, denn hätten sie sich mit anderen Zinsen beschäftigt, wäre die Unmöglichkeit aufgefallen.

Folgen für die Berater? Nichts Neues, diese müssen gefälligst Zeitschriften lesen. Auch wenn sie nicht allem zustimmen, müssen sie zumindest andere Meinungen kennen und bei massenhaft gegenläufiger Argumentation darauf hinweisen. Juristischt ist "massenhaft" natürlich schwierig zu definieren, wenn aber alle außer der hauseigenen Zeitschrift dagegen sind, dann darf man durchaus von massenhaft sprechen...

Folgen für den Kunden

Auch wenn es hart klingt, endlich mal was Gutes: Verantwortung übernehmen. Niemand kann gierig auf 500% Rendite in zehn Jahren sagen und nachher alle Schuld von sich weisen, das geht einfach nicht. In Deutschland darf sich jeder tödlich besaufen aber sobald es an Geldangelegenheit geht dürfen wir die Waldorfschüler spielen. Ich singe meinen Namen und mache Feuer mit meinem Geld.
Tipp: Egal wie plausibel die Ausführungen des Beraters klingen, sollte man bei unrealistischen Versprechen grundsätzlich Vergleichswerte heran holen und prüfen was möglich ist und was nicht. Klar kann ich mein Geld über Nacht vervielfachen, aber statt Einbahnstraße gibts das auch in die andere Richtung...

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