Mittwoch, 19. Oktober 2011

Private Krankenversicherung darf in Prospekten lügen

Eine Frau wechselte 2009 in die private Krankenversicherung der Bayerischen Beamtenkasse (BBKK) in München. Ihre Motivation war eine Beitragsrückerstattung von drei Monatsbeiträgen im ersten Jahr, wenn sie keine Leistungen in Anspruch nimmt. Dies versprach der Verkaufsprospekt.

Ätsch - Gibt doch nichts!

Im ersten Jahr nahm sie keine Leistung in Anspruch, bekam aber trotzdem keine Rückerstattung, da die Finanzkrise (2008) den Versicherer gebeutelt hätte. In den Bedingungen steht, dass die Erstattung jedes Jahr neu festgelegt wird und auch nur für bestimmte Tarife gelten würde.
Das ist übrigens der Unterschied zur Pauschalleistung, welche fester Vertragsbestandteil ist und steuerfrei erstattet wird. Insofern hält sich ihr Schaden in Grenzen, denn wer nur wegen der Beitragsrückgewähr (BRE) wechselt, hat das System nicht verstanden!

Das Gericht entschied nicht nachvollziehbar

Die Kundin zog vor Gericht aber unterlag beim Amtsgericht München (Az. 261 C 25225/10), da sich aus Werbeprospekten kein Anspruch ergeben würde. Dort würde auch auf die Versicherungsbedingungen verwiesen werden. Ihre Wechselmotivation sei kein ausreichendes Schutzinteresse.
Natürlich muss sich jeder Versicherte vorher informieren, aber wofür gibt es denn in Deutschland eine Prospekthaftung. Und warum wurde diese hier verworfen? Aller (potenziellen) Dummheit der Dame zum Trotze, ist das doch eine Frechheit. Und der Berater - online wird sie die Versicherung ja nicht abgeschlossen haben - was hat der dazu zu sagen?


Meinung des Autors zum Thema:
Frechheit! Ich kann und will derart Verbraucher feindliche Urteile eben so wenig verstehen wie die Vermittler feindlichen Urteile. Überall sonst stehen viele Zeilen Kleingedruckst, wenn etwas nicht passt. Aber bei derart kompliziertem wie einer Krankenversicherung, da darf man plötzlich mit einem Satz auf die buchförmigen Bedingungen verweisen?
An dieser Stelle aufgeben scheint unklug, wobei das Ziel nicht die Versicherung sein sollte sondern der Vermittler, denn dieser hat hier augenscheinlich gepennt.

Grüße Ihr
Walter Benda

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