Freitag, 18. November 2011

Currywurst - Finanzamt - Mehrwertsteuer - Rechtsschutzversicherung

Ich hatte ja versprochen es Ihnen noch zu erzählen, die Geschichte von der Currywurst und dem Finanzamt...

Der deutsche Bürokratiewahnsinn hat wieder zugeschlagen, denn Gemütlichkeit hat ihren Preis. Laut Ansicht das Bundesfinanzhofs (BFH) muss der, welcher gemütlich an einem Tisch sitzen kann, für seine Speisen 19% Mehrwertsteuer zahlen. Wer die gleiche Mahlzeit (!) im Stehen isst, der muss dagegen nur 7% Mehrwertsteuer abführen.

Wie kommt es zu dieser Situation?

Der Ärger begann mit 23x 33 Cent = 759 Cent, da spielte das Finanzamt einer Stadt am Rhein nicht mit! Einer meiner Mandanten ist selbstständige Dachdecker und hat eine Firma mit vier Angestellten, es geht ihm ganz gut. Und weil er und seine Jungs harte Arbeit leisten, müssen sie sich gelegentlich einem Traum aus Fett und Zucker hingeben, eine Currywurst mit Pommes Frittes. Oder in der Dachdecker Version "Schätzelein, tuste mir nä Manta Teller mit dick op drop". Keine Wertung, ich mag Lokalpatrioten. ;)
Natürlich geht man da auch mal mit befreundeten Unternehmern sowie Kunden "nen lecker Cholesterintablett inhalieren" - an diese Sprache könnte ich mich fast gewöhnen - und lädt die ein. Dafür nimmt der Geschäftsmann nebst Zusatzgewicht noch einen Bewirtungsbeleg mit.

Bis hierhin alles normal; aber?

An 23 Positionen der Bewirtungsbelege im vorletzten Jahr hatten die Finanzbeamten etwas aus zu setzen. Denn Currywurst plus Fritten kosten 3,00€.

Sitzen im Lokal wären es 19% Mehrwertsteuer, also 53 Cent je Portion. Aber auf dem Bau steht man zwar, doch kann man ja behelfsmäßig sitzen. Demnach wären statt 7% Mehrwertsteuer, was 20 Cent entspräche, leider die 53 Cent fällig. Es kam zur Nachforderung des Finanzamts.

Jetzt die Versicherung!

Als mich der nette Herr anrief um die Geschichte zu schildern, da dachte ich zuerst, man wolle mich auf den Arm nehmen. Er fragte doch tatsächlich ob seine Rechtsschutzversicherung diese Art Schäden mit abdeckt, denn er wolle klagen.
Kein Witz, wegen 7,59€ wollte der Mann klagen... Korrektur, hat geklagt. Allerdings ohne seine Rechtsschutzversicherung, welche die Verteidigung wegen des Bagatellbetrags als unrentabel verweigert hätte (grenzwertig). Hinzu kommt, dass er Steuerrechtsschutz als Gewerbetreibender gesondert versichern muss und er mir schriftlich fixiert hat, dass er das nie braucht. Bitte achten Sie als Gewerbetreibender auf solche Details, sie können einen runieren.

Das Ende vom Lied

Er hat tatsächlich Recht bekommen, denn laut Richter gilt, was an Theken oder Behelfs- bzw. Ablagebrettern verzehrt wird, unterliegt auch nur dem niedrigeren Steuersatz. Das Urteil kann unter Az. V R 35/08 bzw. V R 18/10 abgerufen werden.
Die Kosten bis zur letzten Instant? Schlappe 4.800€, wobei er damit billig weg gekommen ist. Für ein paar Currywürste aber ein ganz schöner Happen...

Grüße Ihr
Walter Benda

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen