Freitag, 25. November 2011

Keiner will deutsche Schuldverschreibungen - Selbst Versicherungen nicht

Als ich gestern im Rote- Augen- Flieger zurück nach Köln war, fiel mir direkt die Titelseite des Handelsblatts auf: Kanzlerin Angela Merkel, ät Angie, sitzt betrübt auf Anleihen, die keiner kaufen will. (Bild mit Linksklich vergrößern, mit Rechtsklick "Speichern unter...".)



Unter 2% Zins bei 10 Jahren Laufzeit

Es stimmt schon, die Bundesrepublik ist ein in Relation guter Schuldner. Das Problem ist, dass in Relation gut noch lange nicht richtig gut bedeutet. Bei einem Zins von 1,98% (erstmals unter zwei Prozent) für Langläufer Anleihen ist auch dem letzten Deppen klar, dass es sich hierbei nur um aktive Geldvernichtung handelt.
Die Ironie an dieser Sache ist, dass in der Vergangenheit Versicherungen eingesprungen sind um diese Papiere zu kaufen. Aber Wertpapiere - im strengen Wortsinne nur den Wert des Papiers bedeutend - müssen mehr als die Garantiezinsen erwirtschaften, sonst kann eine Gesellschaft nur Verlust machen. Und selbst eine Versicherung ist nicht so dumm sich einen garantierten Verlust für zehn Jahre ein zu kaufen.

Oder ist sie doch?

Jein. Solvency II verlangt von den Gesellschaften gewisse Eigenkapital Ausstattungen. Je nachdem welches Asset (=Anlageklasse) einekauft wird, muss mehr oder weniger Eigenkapital hinterlegt werden. Da per Gesetz, welche der Staat macht, dessen Wertpapiere als sicher gelten, muss eine Versicherung dafür nichts an eigenem Geld hinterlegen. Will diese dagegen wirklich sinnvolle Aktien, Beteiligungen, oder Immobilien kaufen, dann muss sehr viel Eigenkapital her, was das ganze aber wieder für die Versicherung unrentabel macht.

Und was heißt das für den Kunden?

Jetzt gibt es also die Wahl unrentable Anlagen zu zeichnen oder Schuldscheine zu kaufen, mit denen ich ein garantierten Verlust mache. Da die Versicherungen aber keine mildtätigen Vereine sind, werden sie das Problem den Kunden anlasten. Das geschieht über Kosten und Gebühren.
Das Problem ist aber ein strukturelles, denn auf absehbare Zeit wird sich das Verhältnis nicht umkehren. Irgendwann steigen aber auch die letzten Anleger/ Vermittler (da gibt es ja auch genug doofe von) durch, dass es damit kein Geld zu verdienen gibt.
Weniger neue Kunden heißt weniger neues Geld. Die Altverträge haben höhere Garantiezinsen, welche bedient werden müssen, das heißt noch mehr Verlust. Durch den Doppeleffekt muss die Überschussbteiligung sinken, was die Altkunden belastet, die sich das Spiel auch nur sehr begrenzte Zeit anschauen werden.

Neuabschluss = Geldvernichtung

Die klassische Kapitallebensversicherung (KLV) ist ein völlig unrentables Produkt, dass seine Daseionsberechtigung schon lange verloren hat. Das gleiche gilt für die Kapitalbildende Rentenversicherung (KRV). Der Neuabschluss hat den gleichen Effekt wie Geldscheine im Schornstein, die Freude währt nicht lange...

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