Donnerstag, 22. Dezember 2011

Versicherungsvermittler dürfen trotz Insolvenz weitermachen

Wer in Deutschland Versicherungen verkaufen will braucht eine Erlaubnis nach §34 d GewO. Nebst ein wenig Kleingeld bedarf es einer Alibi Qualifikation, der des Versicherungsfachmanns. Besser als nichts, aber nicht einmal ansatzweise genug um Privatpersonen zu beraten, von Gewerbekunden ganz zu schweigen. Wer bei einer Versicherung oder einem Strukturkvertrieb (= Drückertruppe) unterkommt, braucht dafür meist noch nicht einmal eine Qualifikation, da er unter einem Haftungsdach unterkommen kann.

§ 34 Absatz 2 Nummer 2 GewO - Nach mir die Sintflut

Diese zusätzlich Bedingung besagt, dass der Vermittler geordnete Vermögensverhältnisse haben muss, also ein sauberes Führungszeugnis, Gewerbezentralregister, Schufa und natürlich keine Insolvenz. Leider gilt das nur bei Antragsstellung, was man sich also im Anschluss grobe Schnitzer leistet, ist das zumindest der IHK egal. Denn der §12 GewO sagt, dass die Lizenz nicht während eines laufenden Insolvenzverfahrens entzogen werden darf.


Gläubigerschutz vor Kundenschutz

Der Vermittler darf erstmal weiter machen, schließlich sollen seine Gläubiger ja befriedigt werden und dafür muss Geld rein. Dieses wird eben durch Provisionen verdient und je mehr ich verkaufe, umso mehr Umsätze habe ich, umso höhere Provisionssätze erhalte ich auch, verdiene also gleich doppelt mehr. Wer käme eigentlich jetzt auf die Idee, dass der Vermittler unter Druck stehen könnte und auf Gedeih und Verderb verkauft?
In §60 VVG ist geregelt, dass der Vermittler eine Beratungspflicht hat, bei Maklern sogar eine umfassende. Nur wie kann er diese ausführen, wenn er ständig Druck im Nacken hat, weil er mehr Provisionen generieren muss. Spätestens wenn der Insolvenzverwalter in seine Vertragsbeziehungen eingreift, werden wohl eher nicht die provisionsschwachen Anbieter aussortiert...

Stellung der IHK

Man weiß bei der IHK um diese Problematik, zumal es immer wieder Vermittler gibt, bei denen sowas akut wird. Aber man übt sich in Schweigen. Zwar redet man da von Amtsermittlungspflicht, obwohl es ja KEIN Amt ist, aber man würde nur begründeten Hinweisen nachgehen. Anonyme Meldungen werden nicht bearbeitet. Welcher Makler mit Insolvenz klagt sich selbst bei der IHK an? Welcher Insolvenzverwalter hat ein Interesse daran, zumal es den Anspruch der Gläubigerbefriedigung konterkarrieren würde?
Genau, wenn interessiert schon der Verbraucher. Der zahlt am Ende sowieso, auf die eine oder andere Art!

Man müsste es verbieten. Jeder verbrannte Vermittler kann die Branche wechseln oder versuchen woanders unter zu kommen. Wenn jemand aber sechsstellig Schulden hat und nirgends in der Branche mehr Arbeit findet, dann hat er es verdammt nochmal auch nicht anders verdient. Hier wird fahrlässig gehandelt!

Weitere Exits für verbrannte Vermittler?

Leider gibt es noch eine Menge anderer Tricks, die aber schon schwieriger sind, und den meisten Vermittlern nicht klar sind. 

Wenn also ein Unternehmer einen großen Fuhrpark unterhält, massiv Provisionen als Vorschuss auskehrt aber mangels Wirtschaftlichkeit damit gegen die Wand fährt, was passiert dann?
Er liefert die Sachkunde (die o. g. Qualifikation), ein Familienmitglied wird Geschäftsführer einer GmbH (weil Haftung ja doof ist) und der ganze Dreck fängt von neuem an. Meist unter fast gleichem Firmennamen aber definitiv unter gleicher Anschrift. Warum auch umziehen, wenn es doch gemütlich ist, mhm?

Zu viele sind derer

Um es klar aus zu drücken, es gibt keine offiziellen Zahlen über die Anzahl verbrannter Schafe aber selbst mir begegnen in der Praxis Vermittler, wovon geschätzt jeder zwölfte nicht mehr arbeiten dürfte. Sprich fast 8,5% der Vermittler sind abgebrannt, beraten aber andere über Finanzen.

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