Montag, 2. Januar 2012

User Frage zur Beitragsentlastung bei der Krankenversicherung

Frage:

Ich grüße euch :-)
Ich musste neulich meine PKV kündigen, da die Beitragserhöhung sehr krass ausfiel. Beim Abschluss der neuen PKV riet man mir, die Altersrückstellung separat abzuschließen - damit sie nicht bei einem erneuten Wechsel bei dem Versicherer bleibt, sondern ich sie somit garantiert hätte. Stellte sich dann allerdings mit Zusendung der Unterlagen raus, dass es sich im Endeffekt um eine Lebensversicherung handelt - was ich etwas seltsam finde.
Meine Frage daher - ist es sinnvoll dabei zu belassen oder soll ich doch widerrufen?
Herzlichen Dank euch für eure Ratschläge :-)

Antwort:
Werter USER,

vermutlich sind Sie einem Scharlatan aufgesessen. Oben finden Sie Informationen zum Wechsel, unten zur Lebensversicherung/ Beitragsentlastung.

Wechsel oft nachteilig

Der Wechsel einer PKV sollte deshalb immer gut durchdacht werden. Aufgrund von Profilbild und Geschlecht, sowie Ihrer Äußerung zur Beitragsanpassung, vermute ich, dass Sie ein Central Kunde waren.

Bevor eine Kündigung angeraten wird, sollte der Berater eine Tarifoptimierung innerhalb der Gesellschaft nach §204 VVG prüfen. Mit diesem Vorgehen lassen sich geringere Beiträge bei gleicher, teils sogar besserer Leistung, erzielen. Ihr Gesundheitszustand verhindert das nicht, wenn es richtig angegangen wird. Nicht nur dass ein seriöser Berater darauf hinweist, er erklärt Ihnen auch, dass derartige Dienstleistungen ein Honorar kosten, weil diese nicht verprovisioniert sind. Ob jetzt erfolgsabhängig oder Pauschal, ist eine Individualvereinbarung. Sie finden dazu Angebote im Internet oder - Achtung Eigenwerbung - beim persönlichen Kontakt.


Beitragsanpassungen (BAP) sind ein systemimmanentes Problem


Selbst wenn Sie wenige Euros durch einen Wechsel sparen würden, so ist dies nur bedingt sinnvoll. Aufgrund der Kalkulation sind Tarife oft einige Jahre moderat in der Steigerung und haben dann einen hohen Sprung, was u. a. daran liegt, dass Kostensteigerungen von unter 5% p. a. (nicht kummuliert!) vom Versicherer NICHT den Kunden belastet werden dürfen. So kann es sein, dass ein acht Jahre lang stabiler Tarif plötzlich um 50% im Beitrag steigt, weil die notwendigen Steigerungsraten vorher von der Versicherung nicht umgelegt werden durften. Auf Rechtsquellen wird hier verzichtet, da es Sie ja nicht befriedigt das zu wissen. Der beste Zeitpunkt zum Beitritt in einen Tarif ist NACH so einer Explosion, weil die notwendigen Anpassungen vorgenommen wurden und ein marktgerechtes Preisniveau einkalkuliert wurde. Sofern die Gesellschaft keine strukturellen Probleme hat, bei der Central darf man das aber so sagen, sollte genau das KEIN Grund für einen Wechsel sein.

Sofern Sie kein Central Kunde waren, und selbst dann gilt es das zu prüfen, sollten Sie den Wechsel durch Freigabeverhandlungen ggf. rückgängig machen. Ein guter Berater würde diesen Prozess für Sie übernehmen. Achtung, auch hier wird mangels Provision ein Honorar fällig. Die Eigenwerbung gilt auch hier.

Das Mär von dem Altersrückstellungstopf - Mehr Geld bei weniger Einzahlung?

Die Auswirkung der Altersrückstellung können Sie erst im Alter greifen, weshalb dieser Verlust nicht bemerkt wird, wohl aber vorhanden ist. Hier wird häufig falsch mit einer fachlich richtigen Aussage des Deutscher Ring argumentiert. Korrekt ist, dass der Versicherer Altersrückstellungen als Töpfe bildet und Sie in Abhängigkeit von Ihrem Beitrag daran partizipieren. Je mehr (Beitrag) Sie einzahlen, umso mehr bekommen Sie davon. Theoretisch könnten Sie woanders weniger zahlen und trotzdem gleich viel bekommen, weil der Topf einfach größer ist.

Wie es aber gehen soll, dass bei durchschnittlich weniger Einzahlung mehr im Topf sein soll, das möchte ich vorgerechnet sehen! Die Aussage des Vermittlers ist sachlich falsch oder inkorrekt wieder gegeben!

Internte statt teure externe Vorsorge

Anstatt einer Lebensversicherung, sollten Sie innerhalb der Krankenversicherung Entlastungsbausteine besparen. Diese haben einen Garantiezins von 3,5%, was Sie zzt. ohne Kosten nirgends risikofrei erhalten können, und können steuerlich so abgesetzt werden wie Ihr Krankenversicherungsbeitrag. Der Clou ist, dass es zu vereinbarten Auszahlungszeitpunkt (z. B. mit 65) nicht zu einer steuerbaren Einnahme kommt, weil die Beiträge direkt bei der Krankenversicherung verrechnet werden. Sie können also vornweg einen Steuervorteil nutzen und haben hinten keine Steuernachteile!

Diese Gelder wären bei einem Versichererwechsel verloren. Ein guter Berater berät aber, dass Sie nicht wechseln müssen, hier darf also die Intention und/ oder das Fachwissen des Vermittlers angezweifelt werden.

Nachteile einer Privatrente

Die Privatrente müssen Sie versteuern. Hinzu kommen die hohen Kosten und Gebühren. Völlig egal ob es die Continentale ist (über die Impuls), das Stuttgarter Gesundheitskonto (über diverse Vertriebe) oder andere Renten, Sie zahlen fast immer drauf. Außerdem sind die Auszahlungen nicht garantiert, bei den internen Rückstellungen schon.
Zusätzlich hätte dann eine Altersvorsorge Beratung statt finden sollen, welche erfahrungsgemäß leider oft ausbleibt.

Handlungsempfehlung Ohne Ihre Situation genau zu kennen, sollten Sie - vorbehaltlich sachverändernder Tatsachen - gegen Gebühr den Verbraucherschutz oder einen spezialisierten Berater aufsuchen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind Sie an eine Stümper geraten.


Bitte bleiben Sie regelmäßiger Leser, es warten noch weitere nützliche Informationen auf Sie.Viel Erfolg bei Ihrer Recherche.

Grüße Ihr
Walter Benda

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