Donnerstag, 15. März 2012

Kölner Sozialrechtstag - Was ändert sich bei den Krankenkassen und der PKV?

Am Dienstag den 13.03.2012 war mal wieder ein FAO Lehrgäng (für Fachanwälte), der Kölner Sozialrechtstag, welcher von der Uni Köln ausgerichtet wurde. Laut Gästeliste war ich der einzige Vermittler dort, was mich ja schon wieder nachdenklich stimmt. Warum sollten Vermittler auch wissen und verstehen warum etwas im Gesundheitssystem geschieht...

Die wichtigsten zentralen Änderungen, von den Spitzenverbänden GKV & PKV sowie der Politik beschlossen, zusammengefasst:

  • Erschwerung der Regressforderungen von Patienten durch den Grundsatz "Beratung statt Regress". Wurde zwar anders kommuniziert aber genau das ist der Inhalt des Thesenpapiers.
  • Lockerung der Zugangsregelung für medizinische Versorgungszentren, d. h. es wird bald mehr davon geben.
  • Abbau des überversorgten Planungsbereichs, d. h. gleichzeitig sinkt die Anzahl der vollstationären Krankenhäuser!
  • Konzentration von Fachärzten in MVZ, d. h. weniger regionale aber mehr zentrierte Versorgung. Wohl dem, der nicht auf dem Land wohnt! Aber gleichzeitig soll es trotzdem schneller Termine geben, natürlich...
  • Stärkung der Hochschulambulanzen, was tatsächlich mal eine sinnvolle Idee ist! Zielsetzung ist mehr Mediziner Nachwuchs und höhere Qualifikation für Pfleger & Schwestern.
  • Optimiertes Entlassungsmanagement, wobei ganz klar gesagt wird, dass die Liegezeiten verkürzt werden sollen und mehr ambulante Behandlung, auch in den MVZ (medizinischen Versorgungszentren) statt finden soll. Wie das allerdings das Problen der sog. "blutigen Entlassung" verhindern soll, ist mir unklar.
  • Mehr ambulante statt stationärer Reha.
  • Mehr langzeit Genehmigungen für Heil- und Hilfsmittel. Wie sich hier Kosten einsparen lassen sollen, bin ich mal gespannt.
  • Versicherteninformationen über die entstandenen Kosten mittels online Einsicht. Klingt grundsätzlich gut!
  • Verbindliche Regeln und Vorgänge bei Krankenkassenschließungen. Muss ich nicht gut finden, ist aber dringend notwendig.
 Fazit: Mehr ambulant statt stationär

Der Trend war absehbar, doch ergibt sich für PKV Versicherte eine Vielzahl von Problemen. Obwohl von den Kassen beschlossen, trifft die strukturelle Veränderung die PKV Versicherten ebenfalls. Der Ausbau der integrierten Versorgungs und der ambulanten Behandlungen wirft einige Tarifprobleme auf. Bei den meisten nicht Top- Tarifen fehlen folgende Leistungspunkte in der PKV:

  • Ambulante Behandlung in MVZ (medizinischen Versorgungszentren) - Ohne die Zusage, kriegen Sie kein Geld, das Risiko ist damit unbegrenzt.
  • Ambulante Benhandlung in Krankenhausambulanzen - Das gleiche in grün, es kann sie ruinieren.
  • Verzicht auf die Kurortklausel - Es macht halt doch einen Unterschied wann ich wo und warum hingehe. Ist schlecht, wenn die nächste ambulante Kur da statt finden soll, wo ich nicht wohne, weil die mir nächstgelegene leider nur vollstationär ist...
  • Reha/ Mischanstalten/ Geschlossene Anstalten laut Bedingungen mitversichert? - Falls nein, haben Sie jetzt potentiell ein schweres Problem, zumal jedes dritte Krankenhaus in Deutschland unter die o. g. Definition fällt...
Sie würden gerne wissen ob das bei Ihnen versichert ist? Fragen Sie uns, fragen Sie uns jetzt!

Ein paar Kennzahlen des statistischen Bundesamtes und von ver.di

Interessant ist, dass in den letzten 18 Jahren die Zahl der Krankenhäuser um 10,8% gesunken ist, die Zahl der Betten um 18,6% (d. h. auch mehr 1- & 2- Bett Zimmer), die Liegedauer um 33,3% gesunken ist, die Anzahl der Vollzeitkräfte um 8,2% sank aber die Fallanzahl um 13,0% gestiegen ist. Na, wer findet den Fehler im System? Die Quelle hier ist übrigens ver.di, welche die Daten aufbereitet hat.
Zeitgleich gab es Gesetzesänderungen, dass Pflegekräfte & Schwestern jetzt bis zu 20 Tage Dienst am Stück haben können. Wahrlich beneidenswert...

Die "einfachen" Gesetzesänderungen auf einen Blick

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