Mittwoch, 8. August 2012

Die Wirtschaftswoche (wiwo) nennt die häufigsten Vermittlerlügen - Wir kommentieren diese.

Gucken wir uns doch mal an was die Kollegen da schreiben und ob es wirklich stimmt...

Ich bin ein unabhängiger Versicherungsvermittler.


Vollständig unabhängig sind nur echte Honorarberater bzw. Versicherungsberater, geschätzt gibt es ca. 350 davon in Deutschland. Dann gibt es Versicherungsmakler, welche pro Forma unabhängig sind, aber durch Vergütungsanreize und Wettbewerbe der Versicherungen (in-)direkt gesteuert werden können, davon gibt es ca. 40.000.
Dann gibt es ca. 250.000 (Mehrfach-)Vertreter bzw. (Mehrfach-)Agenten, die nur unabhängig tun es aber nicht sind. Die Anzahl nicht registrierter Vermittler (gibt es ja zu Hauf) wird auf ca. 150.000 geschätzt, wird aber nicht bestätigt und ist nicht aus unabhängiger Quelle zu verifizieren. Besonders dreist, Versicherungen (z. B. Debeka) & Vertriebe (z. B. DVAG) schicken teilweise Leute OHNE Qualifikation bereist in den Vertrieb, da sie die Haftung übernehmen und im Hintergrund die völlig unzulängliche "Ausbildung" zum Versicherungsfachmann läuft.
Und am Bankschalter werden geschätzt auch nochmal ca. 300.000 Bänker tätig, welche meist noch weniger unabhängig sind als deren Versicherungskollegen.
Vermittler können Kraft Definition gar nicht unabhängig sein, da das Einkommen an der Vermittlungsleistung hängt. Aber manchmal wäre das beibehalten von Verträgen klüger!

Der Versicherer wurde mehrfach ausgezeichnet.


Welche Versicherung wurde das denn nicht? Außerdem haben globale Auszeichnungen keinen individuellen, konkreten Nutzwert. Next!

Der Garantiezins sinkt, daher sollten Sie noch in diesem Jahr abschließen.


Geiler Grund, dazu gab es schon ausführliche Berichte. Sollte das so in Ihrer Beratungsdokumentation stehen, kontaktieren Sie uns, es ist sicherlich noch Geld zu holen! ;)


Die Kosten für Lebenpolicen sind günstig.


Lüge, waren sie nie und werden sie vermutlich auch nie. Es gibt nur weniger teure Anbieter, sprich den Einäugigen unter den Blinden! Alternativ sollte man gucken ob man Versicherungen wirklich nur versichern lässt und dafür Kapitalaufbau und -sicherung nicht besser (!) anderweitig betreibt. Hier gibt es keine pauschalen Tipps, außer das Kinderlebensversicherungen (sog. Kinderpolicen) fast immer viel zu teuer sind!
Die "günstigen" Versicherungen liegen bei ca. 12% Kostenquote, die teuren gehen bis 30% hoch. Besonders oft auffällig mit hohen Kosten sind z. B. Verträge der Generali Gruppe.

Den Riesterzuschuss sollten Sie noch in diesem Jahr mitnehmen.

Was spricht dagegen, wenn Riester passt, das Produkt passt und der Mandant es sich leisten kann? Ja, das es meistens nicht die o. g. Kombi ist, die fast zwingend gleichzeitig auftreten sollte...

Eine Lebensversicherung ist auch in der Finanzkrise sicher.


Das kommt drauf an, aber ehrlich gesagt ist das nicht wahr. NICHTS ist in der Finanzkrise sicher, rein gar nichts. Es gab schon immer Währungsreformen, Enteignungen, Umsiedlungen etc. Was sicher ist und was nicht, sind subjektive Empfindungen und lässt sich kaum auf Fakten stützen.
Ich persönliche erachte die Beteiligung an Produktivkapital (Aktienfonds, Aktien, Unternehmensbeteiligungen, ggf. Immobilien und andere Sachwerte, offline Anleihen) für am sichersten, denn Firmen werden weiter produzieren, völlig egal in welchem Rechtskonstrukt (Staat) und welcher Währung. Der Bedarf verschwindet ja nicht, der Rest schon.

Außerdem gibt es da die schönen Paragraphen §89 & §125 VAG. Die haben eigentlich eigene Kapitel verdient. Und dann gibt es da noch so schöne Urteile zur Wertanteilseignung der Wertpapiere in Policen, aber das schreibe ich hier nicht, sonst springen gleich wieder Leute von der Brücke...

Von meiner Provision kann ich Ihnen etwas abgeben.

Untersagt gem. Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG §144a I 3 & II), was eine OWi ist, die mit bis zu 100.000€ belangt werden kan. Aktuell gibt es Rechtsstreitigkeiten, bedingt durch das Verwaltungsgericht Frankfurt/Main Az. 9 K 105/11.F, über die Rechtmäßigkeit dieses Verbots, welches noch aus Nazi Zeiten stammt.
Aber mal Hand aufs Herz, es geht hier um Ihre Existenz, sowie Ihre Zukunft: Würden Sie ernsthaft das jemandem anvertrauen, der sein Einkommen mit Ihnen teilen muss um über die Runden zu kommen? Was sagt das über die Beratungsqualität Ihres "Beraters" aus, wenn er nicht mal sein Geld wert ist? Würden Sie sich von derartigen Anwälten oder Steuerberatern vertreten lassen? Würden Sie häufiger OPs machen nur weil der Arzt Ihnen einen Teil seines Honorars erstattet? Nicht... wen wunderst! ;)

Rentenversicherte kommen bei einem Abschluss in diesem Jahr schnell an ihr Geld


Zu spät Jungs, der Zug ist bereits abgefahren. Die Aussage ist völlig korrekt (max. 2 Jahre), sollte aber kein Grund für einen Abschluss sein.

Mit Riester Fondspolicen profitieren Sie vom Aufschwung am Aktienmarkt


Vorsicht, das hängt von der Police ab. Und oft kann ich das direkt über eine Fondsgesellschaft preiswerter lösen als über eine Versicherung. Leider warte ich bis heute auf einen Riester Fonds-Anbieter (keine Versicherung), mittels derer das mit ETFs bespart werden kann. Dann würde auch ich mal in einen Schlussverkauf starten... ;)
Grundsätzlich ist ein größerer Aktienanteil wünschenswert, da Sie ohnehin zwingend eine Garantie haben müssen, also sollten Sie auch höhere Potentiale nutzen (die Gebühren bleiben meist die gleichen). Außerdem gibt es diverse anerkannte Studien, dass eine Beimischung von Aktien sicherer ist als der kompletter Verzicht bzw. die komplette Anlage in Aktien.

Mit der Lebenpolice lassen sich Steuern sparen


Trifft zu, ist aber für die meisten Sparer völlig unerheblich, weil der Steuerspareffekt durch die höheren Kosten fast immer aufgefressen wird. Hier hilft nur eine Einzelrechnung, die geht aber fast immer zu Gunsten der freien Anlage aus!

Immobilien sind eine gute Geldanlage. Eine Lebenpolice ideal zur endfälligen Tilgung des Kredits.


Vorsicht und am besten Finger weg. Das kann klappen, dafür müssen die Rahmenbedingungen aber exzellent sein, was sie eher nicht sind. Hier hilft nur eine Einzelfallberatung! Ich habe deutlich mehr solcher Konstrukte brechen als funktionieren sehen. Am Ende stand häufig die Überschuldung!

Mit einer Fondspolice lassen sich die Vorteile einer Versicherungen mit den Chancen an den Aktienmärkten verbinden.


Neee, das stimmt meist auch nicht. Es stimmt im Einzelfall, wobei es immer auf Vertrag und Umstand ankommt. Eigentlich sind Sparversicherungen ohne Fonds fast schon Blödsinn, pauschal darf der Spruch da oben aber nicht gelten.

Mit dem Abschluss mehrerer Verträge lässt sich die Rente besser planen.


Völliger Blödsinn, mathematisch obendrein falsch. Die prozentualen Kosten ändern sich nicht aber mehr Verträge haben mehr Stückkosten als wenige Verträge, sprich bei gleicher Sparanstrengung kommt weniger raus. Ergibt in der Praxis fast keinen Sinn.
Diese Lüge erzählen Vermittler nur, weil die ihre Stückzahlen vollkriegen müssen. Außerdem gibt es nur für Neuabschlüsse Provision, die Anpassung alter Verträge bringt kein Geld!

Die Kombination von Berufsunfähigkeit und Risikolebensversicherung sei sinnvoll.


Nein, das stimmt fast nie; zur Begründung siehe oben. Leider gibt es ein paar Gesellschaften (z. B. Nürnberger), da lässt sich das nicht trennen. Das sind aber Tarifprobleme und keine "Tipps".


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