Freitag, 10. August 2012

Unnötige Versicherungen: 5 Policen, die niemand braucht


Versicherungsvertreter sind sehr geschickte Verkäufer, denen nahezu jeder Anlass gut genug ist, um ein Versicherungsprodukt zu verkaufen. Sicherlich gibt es eine Reihe an Versicherungen, die für den Fall der Fälle die eigene Existenz sichern können und die demnach jeder haben sollte. So etwa eine Privathaftpflicht-, Berufsunfähigkeits-, Kranken- oder Risikolebensversicherung, aber auch eine Wohngebäude- und Unfallversicherung. Dazwischen tummelt sich allerdings eine Vielzahl an Versicherungen, die nur Geld kosten und so gut wie nichts leisten.

#5 Glasbruchversicherung - Das faule Geschäft mit den Scherben

"Glück und Glas, wie leicht bricht das". Mit solchen oder ähnlichen Sprüchen versuchen Versicherungsberater eine Glasbruchversicherung als Ergänzung zur Hausratversicherung zu verkaufen. Eine Glasbruchversicherung bietet eine Allgefahrendeckung. Damit ist es völlig unerheblich, wodurch der Bruch der Verglasung verursacht wurde. Auch wenn die Schäden versehentlich oder selbst verursacht wurden, springt die Versicherung für sie ein. Eine Glasbruchversicherung ersetzt Schäden an der Gebäudeverglasung wie Türen, Fenster, Terrassen, Balkone, Loggien, Decken, Wände oder Sonnenkollektoren. Unter den Versicherungsschutz fällt auch die Mobiliarverglasung mit Vitrinen, Wandspiegeln, Gasgeräten, Öfen, Schränken und Bildern.
Ein ehrlicher Versicherungsvertreter würde seinem Kunden allerdings nur eines raten: "Sparen Sie sich Ihr gutes Geld". Denn ein Haushalt verfügt in den meisten Fällen nur über wenig Glas, sodass sich Glasbrüche relativ selten konkretisieren. Und weil kaum alle Fensterscheiben gleichzeitig zerstört werden, hält sich der finanzielle Aufwand zumeist in Grenzen. Sofern eine Hausratversicherung besteht, ist der Kunde bei Schäden an der Verglasung durch Brand, Sturm und Hagel sogar doppelt versichert. Denn diese Gefahren sind bereits in der Hausratversicherung mitversichert. Der jährliche Aufpreis entspricht zudem in etwa dem Zeitwert, der maximal ersetzt wird. Also Finger weg!

#4 Handy- und Elektronikversicherung - Wie Versicherer mit dem Elektrohype abkassieren

Vom Kühlschrank über die Multimedia-Ausstattung bis hin zum Handy: Viele Millionen Euro geben die Deutschen jedes Jahr für Elektronikartikel aus. Derartige Umsätze regen die Phantasie der Versicherungsbranche an, die sich somit auch in Elektrofachgeschäften auf Kundenfang begeben möchte. Hierzu haben sie kurzerhand sogenannte Handy- und Elektronikversicherung ins Leben gerufen. Je nach Versicherungspaket sind Sturz-, Stoß- und Fallschäden, Schäden durch Feuchtigkeit, Brand, Überspannung, Konstruktionsfehler, Blitzschlag und Einbruchdiebstahl mitversichert. Tolle Sache würde so mancher Kunde sagen.
In der Tat, allerdings nur für die Versicherungsgesellschaft. Denn die meisten Gefahren sind bereits anderweitig abgesichert. So greift bei Material- und Montagefehlern ohnehin die Gewährleistung, während für Konstruktionsfehler der Hersteller haftbar gemacht werden kann. Schäden durch Kurzschluss, Überspannung, Brand oder Einbruchdiebstahl sind ein klarer Fall für die Hausratversicherung. Und sollte ein Dritter für die Beschädigung verantwortlich sein, kann der Umstand der Privathaftpflichtversicherung gemeldet werden. Und wie soll ein Handy durch einen Bedienungsfehler beschädigt werden? Muss die Handy- und Elektronikversicherung in einigen der wenigen denkbaren Fällen doch leisten, erstattet sie lediglich den Zeitwert. Und dafür verlangt die Versicherung teilweise über 200 Euro an Beitrag.


#3 Hochzeits-Rücktrittskostenversicherung - Wenn Kreativität in Irrsinn umschlägt

Die Kreativität der Versicherer kennt nahezu keine Grenzen. Schade ist bloß, dass hierbei nicht immer die Kundenbedürfnisse im Vordergrund stehen. Nur so lässt sich die sogenannte Hochzeits-Rücktrittskostenversicherung erklären. Fällt die Hochzeitsfeier ins Wasser, weil Bräutigam, Braut oder enge Angehörige einen Unfall haben oder erkranken, bezahlt die Hochzeits-Rücktrittskostenversicherung die Stornokosten. Wer ein Fest im Wert von 25.000 EUR absichern möchte, muss stolze 510 EUR hinblättern.
Vielmehr als die Brautleute wird wohl eher der Versicherer ruhiger schlafen können. Denn ein Großteil der Hochzeiten wird deshalb abgeblasen, weil einer der Partner vor dem Altar kalte Füße bekommt. Und genau für diesen Fall sieht die Hochzeits-Rücktrittskostenversicherung keinerlei Kostenerstattung vor. Außen vor bleiben zudem Aufwendungen für Kirchenschmuck, Mietauto und Einladungskarten. Auch für bereits absehbare Erkrankungen macht der Versicherer keinen Cent locker. Als wäre die Hochzeits-Rücktrittskostenversicherung nicht schon teuer genug, muss der Kunde zumeist auch noch ein Selbstbehalt von 250 EUR hinnehmen.

#2 Versicherung gegen häusliche Notfälle - Freifahrtschein fürs Gelddrucken

Oft auch als Haus- und Wohnungsschutzbrief bezeichnet, soll die Police Schutz gegen unberechenbare Ereignisse gewähren. Diese erstattet etwa die Kosten für einen Schlüsseldienst oder einen Heizungsinstallateur, wenn sich der Kunde versehentlich aus der Wohnung aussperrt oder die Heizungsanlage den Geist aufgibt. Im Falle einer Insektenplage werden auch die Kosten für einen Kammerjäger übernommen. Sollte der Kunde zudem einen schweren Unfall erleiden, übernimmt der Schutzbrief auch die Betreuung der Kinder und Haustiere.
Obwohl diese Versicherung sehr aufregend klingt, wird sie sich für den Verbraucher kaum auszahlen - allerdings für den Versicherer. Mieter müssen für unverschuldete Schäden wie im Falle eines plötzlichen Wasserrohrbruchs oder einer defekten Elektroanlage ohnehin nicht aufkommen. Dies ist eine Sache des Vermieters. Die Versicherung gegen häusliche Notfälle zahlt demnach unter dem Strich keinen Cent. Zudem werden mit dem vorliegenden Angebot keine Gefahren abgedeckt, die den Verbraucher in den finanziellen Ruin treiben könnten. Aber auch sonst hat das Produkt seine Tücken: Sämtliche Leistungen sind der Höhe nach auf 300 oder 500 EUR pro Versicherungsfall und auf 1.000 bis 1.500 EUR pro Jahr begrenzt. Verbraucher sollten sich nicht täuschen lassen und keine überhöhten Beiträge in diese Versicherung stecken.

#1 Insassen-Unfallversicherung - Täuschung von Versicherungskunden hat Tradition

In den vergangenen Jahren haben sich die Versicherer mit dem Verkauf einer Insassen-Unfallversicherung eine goldene Nase verdient. Diese lässt sich als Ergänzung zu einer Kfz-Versicherung sehr gut verkaufen, weil sie im Gegensatz zum Hauptvertrag betragsmäßig nicht stark ins Gewicht fällt. Die Insassen-Unfallversicherung bietet Versicherungsschutz für Unfälle, welche Mitfahrende beim Gebrauch eines Fahrzeugs erleiden. Auf jeden Insassen entfällt ein Teil der vereinbarten Versicherungssumme, der sich nach der Anzahl aller Mitfahrer richtet.
Leider handelt es sich hierbei abermals um eine Versicherung, die die Welt nicht braucht. Die Insassen-Unfallversicherung ist deshalb so überflüssig, weil sie sich hinsichtlich der Deckung mit anderen Versicherungen überschneidet. So kommt etwa die Kfz-Haftpflichtversicherung des Verursachers für etwaige Personenschäden der Insassen auf. Die Kosten für die Behandlung werden dagegen bereits von der Krankenversicherung übernommen. Arbeitnehmer kommen in den ersten 6 Wochen zusätzlich in den Genuss der Lohnfortzahlung. Nach dem 43.Tag wird immerhin ein Teil des Verdienstes weiterbezahlt. Tritt eine Arbeitsunfähigkeit ein, so ist die gesetzliche Rentenversicherung sowie eine Risikolebensversicherung der Insassen in der Pflicht. Anstelle der überflüssigen Insassen-Unfallversicherung sollte eine normale Unfallversicherung abgeschlossen werden. Denn dann besteht Versicherungsschutz überall auf der Welt und rund um die Uhr.

Quelle: TarifHelfer.de

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