Donnerstag, 16. August 2012

Wenn sich bei Arbeitswegen verfährt, hat keinen gesetzlichen Unfall-Schutz!

Mal wieder ein Fall aus dem Leben: Zwei Mitarbeiter kaufen ein Fahrzeug von einem Miet- und Transportunternehmen, welches sie an den Firmensitz überfuhren. Mangels Ortskenntnis, haben sie sich verfahren. Durch Umwege kamen sie deshalb aus anderer Richtung als üblich und hatten Unfall.
Stellen Sie sich einfach vor, Ihr Chef hätte Sie einen Leihwagen wegbringen oder holen geschickt oder Sie sollen mal grad eine Besorgung machen...

Die gesetzliche Unfallversicherung (GUV) zahlt nicht


Die gesetzliche Unfallversicherung zahlte nicht. Laut dieser stellt es eine Unterbrechung des Arbeitswegs dar, wenn man etwa in der "falschen" Richtung zur Arbeit fährt, da es weder der direkteste Weg zur Arbeit war noch es einen betriebsbedingten Grund für die Umwege gab. Der gesetzliche Schutz erlischt in so einem Fall pauschal. Netterweise werden noch Straßenkarten zur Berechnung heran gezogen und kein Lineal über eine geografische Karte gelegt. Aber wer weiß, womöglich kommen die ja bald auf ähnliche Ideen.

Unerwartete Niederlage vor Gericht

Die Fahrer verloren ihre Klage vor dem Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen (LSG Urteil: Az.: L 3 U 151/08) aufgrund der oben genannten Argumentation. Die Richter hielten es für eine deutliche Zäsur des Arbeitswegs und bestätigten die Ansicht der gesetzlichen Unfallversicherung.
Warum das deutlich war, erschließt sich mir nicht. Hier eine menschliche Schwäche so aus zu legen ist doch nicht statthaft, zumal das gleiche Gericht schon einmal geurteilt hat, dass Medikamenten indizierte Unfälle schon okay sein. Ja ne is klaaaaa...

Persönliche Meinung


Mich wundert dieses Urteil, denn einem Mitarbeiter fehlende Ortskenntnis zu Lasten zu legen scheint mir unangebracht, sonst hätte man bei einer neuen Arbeit die ersten Tage fast immer die gleiche Gefahr unversichert zu sein. Mal ohne Quatsch, oft gibt es ja anfangs eine Eingewöhnungsphase wo man sich erst orientieren muss, da kommt verfahren etc. mal vor.

An Stelle der Angestellten würde ich weiter klagen. Alternativ, aber das ist mehr eine hypothetische Lösung als ein Rat, würde ich mich am Arbeitgeber schadlos halten. Der hätte ja (theoretisch) auch Karten und Navis bereit stellen können. Eine ungefähr genau so sinnvolle Forderung wie der Verlust von Versicherungsschutz, weil man sich irgendwo nicht auskennt. Man stelle sich mal vor eine Kfz-Haftpflichtversicherung zahlt nicht, weil man mangels Ortkenntnis die Beschilderung falsch eingesehen und einen Unfall gebaut hat. Alle würden schreien wie schrecklich die Versicherung ist, aber wenns von Staatswegen so passiert, ist das halt so...

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