Dienstag, 19. Februar 2013

Wenn der Versicherungsvermittler böse Briefe schreibt



Heute bewegen wir uns wieder im Gebiet der unerlaubten R... äh nein, ein Kamerad hat natürlich nur einen freundschaftlichen Ratschlag erhalten, wie seine eitle aber gedankenablässige Freundin ein kleines Inkasso-Problem lösen könnte. Irgendwie kommentierten das schon ein paar Leute mit "Asi 2.0", wobei ich das noch nicht schlimm finde. Eindeutig, ich sollte Anwalt werden! 

Der Briefvorschlag in ungekürzter Fassung

Sehr geehrte Damen und Herren,

diesen Brief erhalten Sie unter Zuhilfenahme meines deutschsprachigen Freundes. Bitte entschuldigen Sie vielmals die Umstände, die entstanden sind.

Als Student der Universität in Siegen habe ich mich für ein Auslandsemester in Portugal im Wintersemester 2012/2013 entschieden, was via E-Mail vom 03.08.2012 bestätigt wurde. Unter Zeugen wurde im Juli 2012 zusätzlich Ihr russischsprachiger Trainer Alex informiert.

Der von Ihnen gestellten Forderung, sowie der Inkasso-Forderung Az. F62593 widerspreche ich in voller Höhe, denn weder spiegelt sie die Absprache wieder, noch ist sie nach Treu und Glauben haltbar.
Lt. Ihren Bedingungen ist die außerordentliche Kündigung mgl. sobald ein Ortswechsel von mehr als 30 km stattfindet, was im vorliegenden Fall bejaht werden kann. Eine Belehrung über dieses Sonderkündigungsrecht ist ausgeblieben, da Sie keine Unterlagen in Russisch bereit stellen und ich somit vollends auf die Ausführungen der Trainer angewiesen war.

Auch die Frage nach einem „deregistration“ form – fälschlicherweise von Ihnen als „deregistration certificate“ bezeichnet – war irreführend, denn Abmeldeformulare existieren in Russland nicht und eine „certification“ ist eine amtliche Bescheinigung, weshalb eine Studienbescheinigung der Form genügt. Eine Kopie finden Sie im Anhang.

Ich habe Deutschland am 01.08.2013 gen Russland verlassen, zwecks Vorbereitung des Semesters, wobei ich im unmittelbaren Anschluss am 12.09.2012 nach Portugal flog, mit einem kurzen Zwischenstopp in Deutschland um mir mein Visa für Portugal abzuholen; Direktflüge von Russland nach Portugal existieren nicht.

Seit dem 04.02.2013 bin ich wieder in Deutschland, weshalb mir erstmalig am 09.02.2013 von „Cash Control“ eine Inkasso-Forderung einging. Mangels offizieller Meldeadresse, kann mir vorher keine Post von Ihnen zugegangen sein, von E-Mail Verkehr abgesehen. Alleine der Form halber wäre Ihre Inkasso-Forderung damit hinfällig!

Die Fälligstellung künftiger Forderungen wg. Zahlungsverzug ist in Deutschland nicht rechtens, denn diese Klausel benachteiligt Verbraucher unangemessen und darf zu Recht als überraschend verworfen werfen.
Hinzu kommt, dass der Gesetzgeber bei den von Ihnen zitierten Rechtsverfolgungskosten, etwa durch Verzugszinsen, den Verzug ein Formerfordernis in Form zugegangener Mahnung samt Belehrung voraus setzt. Auf die Beweisführung der angeblich zugegangenen Post bin ich doch sehr gespannt.
Ferner sollten Sie die Zusammenarbeit mit dem Inkasso-Büro überdenken, denn Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass irgendein ein Richter Verzugszinsen auf künftig zu zahlende Beiträge, nur weil Altbeiträge im Verzug sein könnten. Das würde Ihnen nicht einmal in Russland gelingen.
Ihrerseits verschuldete Mehrkosten infolge fehlerhaften Vorgehens werde ich nicht begleichen.

Ich bedaure die Umstände, die mit Sicherheit auch den Sprachbarrieren geschuldet waren, doch ärgert mich, dass die Lösung „auf kurzem Dienstweg“ offenkundig weder funktioniert, noch richtig kommuniziert wurde.
Ich hätte gerne wieder bei Ihnen trainiert aber nur, wenn man sich an die Absprachen hält, die getroffen wurden.

Mit der Bitte um Rückmeldung binnen zehn Werktage, verbleibe ich mfG.

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