Mittwoch, 16. Oktober 2013

RIY (Reduction in Yield) - Warum die sog. Effektivkostenquote aussageschwach ist

Gestern hatte ich die Diskussion mit einem Kollegen, der fälschlicherweise annahm, dass mit dieser Kennziffer ein sauberer Vergleich von Altersvorsorge Produkten möglich wäre. Angestachelt war er von Axel Kleinlein, Vorsitzender des BdV, auf dessen Artikel zur RIY in procontra er schlecht reagierte.

Ja, aber...


Das geht nur unter der Bedingung gleicher Laufzeit und ohne Kickback Vergütungen. Für beides gibt es einfache Erklärungen.

Laufzeit

Wenn wir Kosten von 2000€ auf die 100.000€ und einer Laufzeit von 1 einem Jahr unterstellen, ergibt das eine RIY (=Reduction in Yield) von 2%. (Stark vereinfacht). Wenn ich jetzt den gleichen Vertrag auf 2 Jahre strecke und ansonsten alle Parameter gleich lasse, hätte ich nur eine RIY kleines als 2% obwohl sich an den tatsächlichen Kosten nichts geändert hat.
Die RIY ist Laufzeitabhängig, was sie manipuliebar macht.

Kickbacks


Es gibt einen Innenprovision bei Fonds, welche die Versicherungen erhalten. Die Höhe variiert und ist meist abhängig von Umsatz und Performance. Einige Versicherungen gehen hin und rechnen diese nicht garantierte, schwankende Erstattung vorweggenommener Kosten wieder in ihre Modellrechnung ein. Deshalb gibt es tatsächlich Gesellschaften, welche nach Kosten ein höheres Ergebnis als vor Kosten ausweisen können.

Beispiel: Ich habe 3% effektive Kostenquote, welche ich jedes Jahr abgezogen bekomme. Aber die Versicherung rechnet großzügig 2% Kickbacks rein und schönt damit die Kostenquote auf 1%. Nebst dem Trugbild, verzerrt es zusätzlich, weil alle Zinsfunktionen exponential immer stärker werden, je höher der Multiplikator ist. Vereinfacht ausgedrückt gibt 9% mit Zinseszins deutlich mehr als das dreifache von 3% mit Zinseszins.
Die Kickbacks verzerren also leider die Modellrechnung zusätzlich und es muss händisch nachgerechnet werden.

Versicherungen

Der o. g. Artikel behandelt schon gut, dass Versicherungskosten eine unzulängliche Berücksichtigung finden. Der geneigte Leser kann das da nachlesen.

Wann hilft mir die RIY?


Bei gleichen Laufzeiten, Beiträgen und Versicherungsleistungen. Also eigentlich nie...


Und die Lösung, etwa Reduction in Wealth?


Das Thema scheint mir zzt. zu komplex als dass es zu einer endgültigen Lösung kommen kann. Die Idee von Kleinlein mit der Reduction in Wealth (=Vermögensminder) finde ich gut, denn wir setzen das im Unternehmen schon länger so um. Nicht der Weisheit letzter Schluss aber ein guter Anfang!
Bei der Reduction in Wealth (kurz RIW) werden keine Prozentwerte genutzt, die (mal ehrlich Hand aufs Herz) keine Sau versteht, es werden konkrete Verluste in Eurocent ausgewiesen. Sie wollen im Supermarkt ja auch nicht einen Preis in Relation zum Einkommen sondern einen fixen Wert haben, die Umrechnung schaffen Sie dann auch im Kopf.
Beim o. g. Beispiel wäre die Angabe nämlich bei beiden Verträgen: Reduction in Wealth = 2000€, denn 1x2000€ ist genau so viel wie 2x1000€. Den Zinsverlust mal außen vor, zum Verständnis genügtes so.

Und für die Praxis bedeutet das?


Wenn Sie eine saubere Beratung wollen, benötigen Sie jemanden, der mit Ihnen über die Kosten spricht. Und im Anschluss muss er Ihnen für das Produkt auch eine Kostenrechnung erstellen können, die mehr beinhalten sollte als die Kosten-Rechner einiger Honorarberater-Plattformen...
Dieser Service ist nicht kostenfrei zu haben, denn wer Ihnen nichts verkauft, der muss Ihnen ein Honorar berechnen. Dafür erhalten Sie endlich mal sinnvolle Antworten und der Ratschlag für bestehende Verträge muss nicht zwingend lauten, dass die Kündigung gut wäre. Ich habe so einige alte Renten- bzw. Lebensversicherungen gesehen, die mit einer steuerfreien Nachkostenrendite von etwa 4% aufwarteten, das muss man erstmal nach Steuern und Kosten erwirtschaften!

PS. Bevor einige Fragen, der Trick ist nicht die Gesamtrentabilität von Anfang an sondern die Rentabilität vom Zeitpunkt der Beratung aus. Nach Kosten (die ja in den Anfangsjahren anfallen) sieht manch eine alte Rentenversicherung dann auf einmal gar nicht so schlecht aus. Aber manch einer will Ihnen das anders verkaufen...

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