Dienstag, 22. April 2014

PKV Test - Viele unnötige Kritiken

Die Stiftung Finanztest hat mal wieder PKV (private Krankenversicherung) Tarife getestet. In alter Manier wurden deren Favoriten anhand kritisierbarer gekürt. Der Test enthält wohl fachliche Fehler, weshalb es einige Kritiken dazu gibt, u.a. von dem geschätzten Kollegen Hennig. Was mich wundert, die Kritiker machen selbst Fehler.

Was mich also stört...


Vorab, den Test habe ich nicht gelesen, mein Urlaub ist mir grad wichtiger, weshalb ich mich nur auf die Kritiken beziehen kann. An sich schreibe ich grad nur, weil mir der Kragen platzt...

Die Beiträge würden nicht so stark steigen wie von der Stiftung Finanztest behauptet


Das ist Unsinn, die SF geht sogar sehr freundlich vor! Ich weiß, dass die jährlichen Beitragsanpassungen (kurz BAP) eigentlich in Eurocent ausgedrückt werden müssten. Eingebürgert hat sich aber der Vergleich in Prozenten. Die SF unterstellt, dass ein 30-jähriger bis zur Rente seine Beiträge verdreifacht. Und da hat wer Zweifel? Gucken wir uns doch Zahlen an. Entschuldigung, der Blog verzerrt leider die Ansicht der Formel.

Gesamtsteigerung: [i=1∑n] =! 200%
Das entspricht dem Faktor 3 für die Verdreifachung bis Renteneintritt.

Daraus ergibt sich: in = ( [i=1∑n] ^ (1/n) ) -1

Restjahre Teuerung Restjahre Teuerung Restjahre Teuerung Restjahre Teuerung
1 200,00% 11 10,50% 21 5,37% 31 3,61%
2 73,21% 12 9,59% 22 5,12% 32 3,49%
3 44,22% 13 8,82% 23 4,89% 33 3,39%
4 31,61% 14 8,16% 24 4,68% 34 3,28%
5 24,57% 15 7,60% 25 4,49% 35 3,19%
6 20,09% 16 7,11% 26 4,32% 36 3,10%
7 16,99% 17 6,68% 27 4,15% 37 3,01%
8 14,72% 18 6,29% 28 4,00% 38 2,93%
9 12,98% 19 5,95% 29 3,86% 39 2,86%
10 11,61% 20 5,65% 30 3,73% 40 2,78%


Schauen Sie sich die Restjahre von 35 bis 40 an (entspricht Renteneintritt mit 65-70), dann sehen Sie, dass die Teuerung pa sogar unter der allgemeinen Inflationsrate liegt. Das ist mehr als freundlich, zumal die Kollegen feststellen, dass...

...im Gegensatz zur Kasse keine Leistung gestrichen werden können! 


Was heißt das in der Folge? Wenn ich meine Ausgaben nicht senken kann wie Kasse, dann bleibt mir nur die Beiträge zu erhöhen, ein funktionierendes Kostenmanagement mal unterstellend. Die PKV muss demnach stärker steigen als die Kasse! Die medizinische Teuerung dürfte eher bei 4-6% pa liegen und die meisten alten PKV Tarife gehen aus diversen Gründen auch eher in diese Richtung. An dieser Stelle ist eine Kritik an der Stiftung Finanztest unangebracht. Die PKV steigt stärker als der Höchstbeitrag in der gesetzlichen Kasse.
Bei Zeiten bringe ich auch gerne eine Argumentation warum die Kapitalansammlungen der PKV daran nichts ändern, wie oft fälschlich behauptet.

Die PKV muss man sich leisten können und wollen. Dazu gehört aber auch die ehrliche Aussage, dass es teurer wird, gerade im Alter. Die vom Kollegen erwähnte "Wechselindustrie" um die Tarifoptimierer nach §204 VVG würde es nicht geben, wenn es kein Massenproblem wäre...
Natürlich fallen Krankengeld, gesetzlicher Zuschlag (kurz GZ) o. Ä. zum Renteneintritt weg aber diese fallen vorher teils negativ auf, vgl. dazu die steuerliche Situation.

Steuervorteile bzw. Nachteile werden glatt unterschlagen


Die gesetzliche Kasse (kurz GKV oder besser GKK) kann zu 96% (4% pauschaler Abzug fürs Krankengeld berücksichtigt) in beliebiger Höhe von der Steuer abgesetzt werden. Die PKV darf auch in beliebiger Höhe abgesetzt werden, allerdings nur in Form von Grundleistungen, d. h. Zusatzleistungen wie 2er Zimmer, Privatarztwahl oder Zahnschutz sind NICHT absetzbar. Wenn diese einzeln ausgewiesen werden, wie z. B. die Krankengelder, dürfen Sie gar nicht in Abzug gebracht werden. Wenn die Leistungen im Kompakttarif versteckt sind, dann gibt es Faktoren zur Berücksichtigung.
Vereinfachend kann man sagen, dass die Kasse zu 96% abgesetzt werden kann und die PKV meistens zu ca. 80%, wobei die prozentuale Relation sich mit dem Krankengeld o. Ä. noch für die PKV verschlechtert.
Das lese ich nie irgendwo aber es ist wichtig zu berücksichtigen!

Zusammenfassung


Die Stiftung Finanztest macht teils echt blöde Fehler, z. B. interessiert es keinen ob gesetzliche Vorsorge im Tarif erwähnt wird, da es im VVG schon verbindlich für alle geregelt ist. Auch die Concordia oder die HUK schneiden im Test besser ab als verdient. Die Debeka und Barmenia haben indes tatsächlich sehr starke Tarife, nur ganz billig sind die eben nicht mehr.
Nur machen die Kritiker teils leider genau so blöde Fehler und das ärgert mich. Die SF ist nicht perfekt oder fehlerfrei aber ich begrüße jede Institution, welche zumindest versucht Entscheidungshilfen zu ermöglichen. Der unmündige Verbraucher entscheidet anhand einfacher Matrizen. Der kluge Verbraucher holt sich Beratung, beim Fachmann und nicht beim Verkäufer, der sich in vielen Gewändern tarnen kann.

Also nein, es gibt keinen besten Tarif und der Artikel war fehlerhaft. Die Kommentierung im Netz ist es nur leider auch.

PS. Ich mag den Kollegen Hennig, lese auch seinen Blog regelmäßig nur die Sache mit den Beiträgen sehe ich doch gänzlich anders... ;)

Kommentare:

  1. Hallo,

    jedem seine Meinung und ich muss ja nicht alles so sehen. Schauen wir uns vergangene Zahlen (und reale Werte) an, (ich veröffentliche demnächst noch mal Beitragsentwicklungen) dann ist klar, es wird teurer.

    Dennoch ist es Ansichtssache ob es 4, 5, 6 oder x Prozent sind. Mit Einführung der Unisextarife (welche zweifelsfrei teurer sind) bleibt abzuwarten wie "sicher" die Kalkulation ist.

    Aber: Interessant ist die Vergleichsberechnung dennoch, also über die Zeit hinweg inkl. Zusatzvers., Steuer etc.

    Und bei Gelegenheit... den Text/ Test in der FT nochmal lesen, nach dem Urlaub ggf. und nicht "nur" aufgrund der Kritiken urteilen.

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  2. Hallo auch,

    das habe ich vor nach zu holen. Heute wieder in Köln und direkt weg, da bleibt nur der erste Eindruck.

    Bis zum nächsten Mal.

    Grüße
    WB

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