Samstag, 17. Mai 2014

Falschaussagen einer miesen Schulung und Vermittler, die das wohl nachplappern

Am Dienstag war ich beim größten Maklerpool (das sind im Prinzip Großhändler für Versicherungsmakler) Deutschlands - das ist die Fondsfinanz aus München - auf einer Tagesveranstaltung (sog. Roadshow). An sich wollte ich sofort in Wut losschreiben, ließ es aber ein paar Tage sacken. Was mir trotzdem die Galle hochtreibt!


Falschaussagen über Falschaussagen

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Standardtarif Krankenversicherung

Der Standardtarif entspräche in allen Punkten der gesetzlichen Kasse. Neee, er ist nur ähnlich aber eben nicht gleich. Dabei ist das hier noch der kleinste Fehler und mMn verzeihlich.

Sicherheit der klassischen Rentenversicherung

Die klassische Rentenversicherung sei super sicher, denn sie investiere in Bundesanleihen. Der Schwachkopf, der das angepriesen hat, hat aber vorher und nachher erklärt wie scheiße das eigentlich ist, weil das Zinsniveau im Keller ist und die Versicherungen lieber anders investieren würden, wenn sie denn dürften. Aber wir sollen es verkaufen, ist ja sicher auch wenn es der Versicherung nicht geheuer ist...
Unter uns, ich würde zzt. auch keine deutschen Staatsanleihen kaufen wollen. Aber ich bin nicht blöd genug jemandem zu sagen er solle es tun. Und sicher ist sicher anders!

Der Garantiezins sei gut und würde sich wieder erholen

Bauschutt geraucht? Der jetzige Höchstrechnungszins (zzt. 1,75%) liegt vor Kosten bereits unter der Inflationsrate (zzt. ca. 3%), es wird also Geld vernichtet. Ziehen wir noch die Kosten ab, wird noch mehr Geld vernichtet. Das kann ich doch niemandem empfehlen!

Der Höchstrechnungszins orientiert sich an der durchschnittlichen Umlaufrendite von Bundeswertpapieren mit einer Restduration von min. zehn Jahren. Auf seinen Folien (vgl. unten analoge Abbildung) zeigt er, dass es seit Jahren nur runter geht. Wer schon mal einen Durchschnitt errechnet hat, sollte jetzt wissen, dass wenn meine rollierenden Werte sinken, dann muss zwingend auch mein Durchschnitt sinken. Sprich der Höchstrechnungszins kann gar nicht steigen.

Umlaufrendite und Garantiezins im Vergleich

Kostenvergleiche von Altersvorsorge sei unfair

Bitte wie? Nur weil Autos bessere Ausstattung haben, darf dafür nicht auch ein großer Preis als zwingend zu bezahlen voraus gesetzt werden, was der Verbraucher ja abwägt. Hier sei diese Abwägung aber nicht angebracht, meint der Kommentator. Außerdem könne man wegen den Versicherungsleistungen die Kosten gar nicht vergleichen.
Hahnebüchender Unsinn! Die Versicherungskosten sind mittlerweile ausgewiesen, können also abgelesen werden. Ansonsten kann man mit aproximierten Werten arbeiten, das ist zwar nur eine Näherung aber möglich.
Nur fürs Protokoll, bei klassischen Verträgen gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen Kosten und der Höhe der Ablaufleistung. Warum sonst sind fast nur die preisgünstigen Anbieter weiter oben vertreten? Etwa weil Versicherungen bei der klassischen Anlage so weit die Hände gebunden sind, dass die ohnehin fast gleich anlegen. Welch abwägige Überlegung...

Die Ablaufleistung sei egal, es käme auf die Rentenhöhe an

Bullshit! Die Rentenhöhe richtet sich nach dem angesammelten Kapital, je mehr, umso besser. Ich kann jeder Kapitalleistung einen Rentenwert anrechnen (via Rentenfaktor) und jeder Rente einen Kapitalleistung (via Barwert). Es ist vergleichbar, nur schneiden bei dem Höchstrechnungszins Versicherungsrenten oft schlecht ab im Vergleich zur freien Anlage.
Außerdem könnte ich bei der Kapitalleistung eine Verzehrrente (=Rente auf Zeit) gegenüber der ewigen Rente (=zeitlich unbefristete Rente) einer Versicherung stellen, was besser sein kann.

Renten seien wegen unterschiedlicher Laufzeiten und Höhen nicht vergleichbar

Setzen sechs! Doch, mit Hilfe des Barwerts kann man die sehr gut vergleichen. Aber Versicherungen streuben sich dagegen, warum sei dahin gestellt...

Amerikanisierte Moderationen & TV-Spots

Wollen die mich für blöd verkaufen? Nach jedem Vortrag wurde ein kurzer Film eingespielt, der eine anmoderierte Zwischensequenz als Überleitung beinhaltete, was grundsätzlich ok wäre. Was ich aber zum kotzen finde: Wenn die Darsteller schlecht vor den Hintergrund geschnitten sind und dabei eine Sprache an den Tag legen die wie die minderwertige Übersetzung eines drittklassigen Pornos klingen. Kennen Sie diese schlechten Übersetzungen von US-Sendungen? So klang das hier auch. Was ich mir als Makler nicht anhören möchte:
  • "Ey Du Wasserstoffperoxidopfer neben mir, hast Du jetzt auch so viel Lust zu verkaufen wie ich?" --> "Ja, natürlich, ich werde sofort selbst unterschreiben..."
  • "Boah ist das toll, das ist ja mal etwas wirklich tolles, was jeder gebrauchen kann. Am besten direkt losrennen..."
  • "Wahnsinn! Hast Du diesen völlig veralteten Fakt der Selbstverständlichkeit auch nicht gekannt? Ja, wirklich?" --> "Nein, für mich war das neu..."
 Dazu fällt mir nur eins ein: Ey am Arsch!  Diesen Teletubby-TV-Terror braucht kein Mensch, ich habe mich sogar geschämt als mir gewahr wurde, dass diese Lachnummer nach außen dringen könnte...
Die Referenten mag ich eigentlich aber die Nummer war scheiße.

Fazit: Erneut fühle ich mich verarscht!

Was soll das? Ohne meinen Laptop wäre es teilweise zum Mäuse melken gewesen. Speziell der Referent von "Die Bayrische" gehört seines Amtes enthoben. Und ob es die Fondsfinanz nicht interessiert wer da solchen Dreck absondert oder die es nicht mitkriegen ist mir egal, sowas geht nicht! Da muss mehr auf Qualität geachtet werden, sonst ists mir dem Selbstbekenntniss zur fachlichen Eignigung nicht weit her...

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