Dienstag, 18. Juli 2017

Vers.Diagnose - Mit der F&B Antwort Ring frei zur nächsten Runde

Erstmal ein Lob an die Leute bei Franke & Bornberg, ein konstruktiver Dialog an Stelle von Bashing ist eine angenehme Abwechslung zu vielen Diskussionen, die sonst im Netz statt finden. Also hier ein aufrichtiges Danke @ F&B.

Inhaltlich stellt sich das leider anders dar


Zunächst war ich verwundert warum F&B verwundert war, schließelich haben F&B versucht in ihrem Post den neuen heiligen Gral zu erklären, der aus der Erdscheibe wurde. Nicht verwunderlich, also fangen wir eine Auseinandersetzung an. Die Analysten behaupten zu analysieren, also schauen wir uns kurz die Thesen an, die im Raumen stehen.

  • Grüner Daumen hoch ist eine bislang unwiderlegte Stellungnahme
  • Gelb ist eine neutrale, hier ist eine Beweisführung unmöglich (z. B. subjektives Empfinden)
  • Rot ist eine höchst strittige oder widerlegte (Falsch-)Aussage

Grafische Zusammenfassung der Thesen & Diskussion



Schärfere Prüfung und Proxys (1. & 2.)


Immer wenn Systeme vereinheitlicht und vereinfacht werden, müssen Vorannahmen getroffen werden, die im Zweifel nicht immer passen. Um aber Nachteile bei der Versichertengemeinschaft zu vermeiden, muss das Versicherungsunternehmen (VU) diese Vorannahmen (in der IT Proxys genannt) möglichst negativ auslegen. Zu dieser vorsichtigen Vorgehensweise sind sie nach VAG, KalV etc. auch verpflichtet.
Dazu wurde von F&B kein dedizierter Gegenbeweis gebracht. Die Pauschalaussage, dass dem nicht so wäre, ist unhaltbar, zumal Kraft reiner Logik fehlerhaft. Sowas machen Menschen im übrigen auch, aber da erfahre ich was es war und kann mit jemandem sprechen! Das ließe sich auch in der EDV darstellen, falls gewünscht!

 

 Komplexität (3.)


Begraben wir das Thema. Was komplex ist und wie weit das geht, das divergiert auseinander. Hier lässt sich nur streiten aber kein wirklicher Konsens erzielen, zumal jeder Vermittler das selbst in der Praxis definieren muss.

Mehrarbeit, falls keine glatte Annahme erfolgt oder die Gesellschaft nicht teilnimmt (4.)

Wie kann man denn behaupten, es gäbe nur Vorteile aber keine Mehrarbeit? Wenn ich im Anschluss an Vers.Diagnose noch Voten einholen muss, ist das Mehrarbeit. Hätte ich Vers.Diagnose gesparrt und das direkt gemacht, wäre es weniger Arbeit gewesen.
Klar, eine glatte Annahme kann ein Vorteil sein. Die gibt es aber auch bei menschlichen Prüfer. Aber die wenigsten Fälle sind glatt. Subjektive Empfindung. Theoretisch könnte F&B (oder die verwaltende Stelle) mit Zahlenmaterial belegen was wie oft durchläuft. Aber aus irgendeinem Grunde passiert das nicht. Hat einen mehr als faden Beigeschmack.
Und sofortige Ergebnisse brauche ich seltenst, denn ich arbeite sauber sowie in Ruhe und nicht mit dem Kunden die ganze Zeit neben mir sitzend!

Haftungspotential (5.)


Nutze ich genormte Voranfragen bzw. -bögen, müssen die Risikoprüfer sich alles selbst zusammen basteln. Makler und Kunde sind aus der Verantwortung, so lange aller Unterlagen (vgl. §19 VVG) lückenlos beigebracht wurden.
Bei Vers.Diagnose wird dieses Risiko auf den Vermittler und damit den Kunden verlagert. Auch ist ungeklärt in wie weit sich der Makler damit in dem Moment zum Erfüllungsgehilfen des VUs macht (?) und damit - analog einem Vertreter - der Auge und Ohr Haftung unterliegt. Brisant!
Dazu gab es u. a. am 03.05.2017 einen AssCompact Artikel zu, der die Haftungsfalle Vergleichsprogramme thematisierte, was für Vers.Diagnose noch schärfer analog gilt. Fehler in der Software werden Makler & Kunden angelastet!

Urteile, welche die Haftung untermauen

Was ist mit den Urteilen zur Art und Geschwindigkeit wie die Antragsfragen (z. B. OLG Stuttgart, Urteil v. 19.04.2012, 7 U 157/11) zu stellen sind?
Oder was mit dem Urteil, wo es heißt, dass langwierige Gesundheitsfragen nur am Laptop angezeigt und vorgelesen den Anforderungen des §19 VVG nicht genügen, z. B. KG Berlin 23.05.2014, Az 6 U 210/13?

Blackbox (6.)

Welche Daten werden denn wo und wie verarbeitet? Welche Tarife der Gesellschaften kann ich prüfen? Wo werden Proxys genutzt? Wer macht was wo? Sind es nur VUs der Münchener Rück oder auch andere Rückversicherer? Ist das in Arbeit etc.?
Wenn mich ein Kunde bittet nach zu weisen was passiert, wird das hier echt schwierig. Mir ist klar, dass nicht alles transparent offen gelegt werden kann aber etwas mehr wäre schon nötig.
Für mich persönlich ein Nebenkriegsschauplatz, denn jedem Anfragenden muss klar sein, dass seine Daten an mehreren Stellen verarbeitet werden müssen um ein sauberes Ergebnis zu erhalten.


Moralisches Risiko & Tracking (7. & 8.)

Wie soll eine Software den Klickoptimierern vorbeugen? Bietet sie nicht per se einen erhöhten Anreiz zur moralischen Entgleisung und stellt damit ein moral hazard Risiko dar? Unbestreitbar. Möglichkeiten öffnen die Tür zu Missbrauch.
Beispiel: Es gab mal eine Zeit, da war ich bei einer KV-Truppe nennen wir sie mal Versicherungsverchecker48, und habe KV beraten. Wir hatten den Maklerbetreuer der Central Krankenversicherung, der gleichzeitig "Risikoprüfer" war, bei uns im Büro sitzen. Und zufällig war regelmäßig sein Rechner mit AktuarMed (einer Software zur Risikoeinschätzung) nicht besetzt aber passwortfrei angeschaltet. Und wenn das nicht gereicht hat, dann hat er eben selbst bei der Optimierung geholfen, bis der Kunde glatt durchlief. Bestimmt kein Einzelfall - obgleich es damals der bundesweit zweitgrößte Produzent der Central war - und vermutlich eine der Erklärungen, warum die Central ein paar äußerst brutale Beitragsanpassungen (BAP) durchleben musste. Einigen der Kunden ist das um die Ohren geflogen!
Warum sage ich das? Weil der Kunde seinem Vermittler (in den meisten Fällen) vertraut. Wenn dieser aber schon zum Missbrauch angehalten wird, dann noch wirtschaftliche Not oder geringes Fachwissen dazu kommt, dann ist der Ärger vorprogrammiert. Der Kunde glaubt eine Annahme zu haben aber im Leistungsfall gibt es kein Geld, Kündigung, Rücktritt und/oder Anfechtung. Tolle Wurst!
Und natürlich wird es auch hier Methoden geben um solchem Missbrauch vor zu beugen. Denn auch hier sind die Versicherungen im Schutzinteresse der Versichertengemeinschaft dazu verpflichtet. Aber was wird getrackt, wo, wie wird es ausgewertet usw.? Auch dieses Risiko kann nicht geleuget werden!

Vers.Diagnose sei keine Risikovoranfrage?? (9.)


Bitte was? Fühlt sich so an, macht teils die gleichen Schritte aber ist nicht das Gleiche. Im Ergebnis bekomme ich doch irgendeine Anname, Ablehnung oder manuelle Prüfung, falls weitere Unterlagen nötig sind. Wo soll da ein Unterschied sein?
An der Stelle bin ich sauer, denn das ist der Versuch uns für dumm zu verkaufen. Rein didaktischer Kunstgriff um das haltlose Argument, dass oft viele Annahmen erzielt würden mit anderer Formulierung auf zu wärmen. Denn für ein sofortiges Votum müssen sehr viele Dinge zusammen kommen, die laut Vermittlern eben so nicht geschehen. Klar kann man sich hier auf die Hinterbeine stellen und das Gegenteil behaupten, das macht es aber nicht wahrer! Nur weil Max Uthoff satirisch propagiert "Wer immer wieder das Selbe sagt, hat Recht!", wird es noch lange nicht real. Oder ist das die stille Hoffnung?
Die Logik ist auch in sich inkonsistent, denn wenn Vers.Diagnose wirklich über eine Rivo hinaus gehen will, muss es auch mindestens so viel leisten, was es aber gar nicht kann oder können wird. Das Tool gibt ja selbst zu, dass menschliche Prüfung nicht vermeidbar sind. Was ist es denn dann? Ist eine online-SOFORT-Risikoprüfung etwa keine Rivo? Oder gelten telefonische Rivos zukünftig als offline-analog-SOFORT-Risikoprüfung?! Verarschen kann ich micht selbst!

Mehrere Gesellschaften mit verschiedenen Fragen - Alter Wein in neuen Schläuchen (10. & 11.)

Wenn das Votum keine Anname darstellt, die der Kunde akzeptiert (z. B. wg. RIZ oder LA), dann müssen abermals Gesundheitsdaten aufnehmen werden. Auch das hier ist wieder die selbe alte Behauptung, dass die meisten Annahmen glatte Ergebnisse produzieren! Die Umformulierung stellt keinen neuen Fakt auf!
13 Gesellschaften ist erstmal eine solide Basis, wo aber noch mehr geht, Respektive zu gehen hat. Aber spöttisch zu behaupten, Makler würden eh immer nur die gleichen 4-5 Gesellschaften wählen, ist albern. Gerade bei "kaputten" Kunden kommt es nicht selten zu Exoten, weil diese eben eine bessere Annahmepolitik für den speziellen Fall haben. Hier wäre mehr wirklich mehr!

Außerdem blendet F&B aus, dass es einige Gesellschaften gibt, welche schon digitalisierte Rivo Tools zu Verfügung stellen, welche dem Makler das Leben für alle angebundenen Partner erleichtern. Zu nennen wären da z. B. blaudirekt, germanBroker.net oder Wifo. Wobei es bestimmt noch mehr gibt, die ich nicht kenne!

Das Klauselproblem (12.)

Das o. g. Problem der zwingenden Negativvermutung wird sich bei den Klauseln fort setzen. In einem statischen Verfahren wird zwingend eher zu Lasten des Fragenden entschieden, das ist die kausale Logik.
Außerdem geht es manchmal um Details. Z. B. gibt §41 VVG den Versicherungsnehmern das Recht zur Nachbesserung, wenn das Leiden sich erübrigt hat. Ohne weitere Festsetzung reagieren die VNs aber unterschiedlich, die guten akzeptieren nach z. B. drei Jahren ein Atest, die schlechten Gesellschaften wollen teils zehn Jahre usw. Es ist ein leichtes als Makler z. B. nach drei Jahren eine Nachprüfung bei der Rivo mit zu vereinbaren, die auch im Versicherungschein aufgenommen wird. Das kann Vers.Diagnose nicht, dabei wäre es mMn auch möglich das hier mit überschaubarem Logik-Aufwand nach zu bauen.

Wie sowas aussehen kann, sehen Sie am Beispiel meiner privaten Krankenversicherung beim Deutscher Ring. Weder kam das bei einer automatischen Prüfung, noch ohne mein Nachfragen. Ein Vermittler ist also genau so wichtig wie ein menschlicher Risikoprüfer!



Zusammenfassung - F&B muss das Tool massiv nachbessern um attraktiv zu sein

Und jetzt? Die Argumentation von F&B ist oft dünn, teils falsch und manchmal nicht nachvollziehbar. Aber immerhin sind sie bemüht, das könnte also noch was werden. Aber damit der heilige Gral den Pilgern auch mundet, muss noch sehr viel nachgebessert werden.

Einer der wichtigsten Punkte ist die Klärung der Haftungsfrage (z. B. Auge-Ohr-Haftung). Bis dato sollten die meisten Vermittler und Kunden einen großen Bogen um Vers.Diagnose machen. Das ist ein Instrument für Profis. Die widerum arbeiten bereits effizient, so dass das Tool dort obsolet ist. 
Schade eigentlich, denn der Ansatz ist gut!
Ein weiterer wichtiger Punkt wäre eine größere Datenbasis, denn dann könnten die bei Vers.Diagnose gemachten Eingaben mit Modifikation an reele Prüfer weitergeleitet werden. Das würde mehr bringen!
Und klare Stellungnahmen zur Datenauswertung sind nötig. Was, wie, wo, wie und wo gespeichert, wer wertet aus?

Damit wäre für mich, vermutlich auch für andere, ein großer Schritt getan um dieser begrüßenswerten Initiative mehr Lebe ein zu hauchen.

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