Donnerstag, 27. Juli 2017

Wie die Unfallversicherung beim #Schlammageddon aka #Drachenfest zahlen muss

Der komische Versicherungsmensch hier hat als Hobby unter anderem LARP, wo Menschen in Kostümierung merkwürdige Dinge tun. Schräg aber voll gut, sollte jeder mal probiert haben!
Und wie bei jedem guten Hobby, verwandelt es "der Deutsche" in Arbeit und veranstaltet Conventions (kurz Con), wo abertausende von Leuten sich mit LARP beschäftigen.
Die vermutlich zweitgrößte davon ist das Drachenfest, wo einige Tausend LARPer in der beschaulichen Provinz Diemelstadt in der Nähe von Warburg zusammen LARP spielen. Leider säuft das diesjährige Drachenfest in einer Regenflut ab, weshalb es auch als #Schlammageddon durchgehen darf. Wacken lässt grüßen! ;)


Was ist, wenn ich mich aufs Maul lege?


Erstmal persönliches Pech! Der Veranstalter wird bestimmt per AGB rechtsgültig eine erhöhte Eigenverantwortung der Teilnehmer verlangen. Und auch gesunder Menschenverstand spielt in Deutschland - zum Glück, noch - eine Rolle. Den Veranstalter dafür haftbar zu machen, dass man sich auf rutschigem Untergrund auf die Nase legt, dürfte ausscheiden.
Was aber, wenn ich mich verletzte und das nicht mit einer Behandlung getan ist, z. B. durch einen Kreuzbandriss? Oder eine dauerhafte Invalidität wg. Knochenbruch mit falsch Verwachsen? Oder bei Freiberuflern und Selbstständigen einige Monate Verdienstausfall, weil z. B. ein schweres Rückenleiden auftritt? Welche Versicherung leistet? Der Knackpunkt ist die Unfallversicherung (UV). Eher unkritisch sind Krankengeld (gelber Schein = Geld) oder nahezu ereignisunabhängige Versicherungen wie die Berufsunfähigkeitsversicherung, wobei es hier stark auf die Bedingungen ankommt. Weiter verbreitet sind aber Unfallversicherung und genau da gab es in der Praxis schon Streit. Nur wieso?

PAUKE - Was ein Schlag!


Was ein Unfall ist, dass wird in den allgemeinen Unfallbedingungen (AUB) definiert, ergänzt um gesellschaftspezifische Zusätze (meist zum Kundenvorteil). Und dafür lernen Versicherungskaufleute das schöne Kürzel PAUKE:

P-lötzlich von
A-ussen
U-nfreiwillig auf den
K-örper
E-inwirkendes Ereignis


Quizfrage: Ist das erfüllt, wenn jemand ausrutscht und sich beim aufs Maul legen verletzt? Streng genommen nein. Aber...

Versicherung will wegen PAUKE nicht zahlen


Versuchen kann man es ja, oder nicht? Die Versicherungen versuchen mit Hinweis auf PAUKE zu behaupten, dass ein Ausrutscher nicht zur Leistung führen würde und lehnen die Zahlung ab. Oder der Unfall sei nicht kausal gewesen. Oder es lägen degenerative Vorschädigungen vor. Da gibt es ne ganze Klaviatur an Ausreden.

Versicherung muss aber zahlen


Um die Leistung dennoch zu erhalten, müssen ein paar Dinge zusammen kommen, die in der Schadenmeldung beachtet werden sollen.


  • Zusammenhang von Schadenereignis und Schädigung. Hier genügt idR eine schlüssige Erklärung, die unzweifelhaft ist, der sog. Anscheinsbeweis, z. B. im Schlamm auf einen spitzen Hering getreten
  • Berücksichtigung der unmittelbaren zeitlichen & örtichen Begebenheit, z. B. schlammige Hanglage bei starkem Regen
  • Vorliegen einer äußeren Ursache (z. B. durch Vermeidung von Ausschlussklauseln wie erhöhte Kraftanstrengung, welche eine innere Ursache wäre)
  • Berücksichtigung der Lebenserfahrung; ein 18-jähriger könnte ggf. Matschsurfen machen, ein 30-jähriger sicher nicht mehr
  • Es muss Invalidität vorliegen oder eine Sonderklausel der Bedingungen greifen, ohne dass die Stelle vorbeschädigt war (Bsp. vgl. u. g. Gliedertaxe AUB2014 GDV) 
  • Rechtzeitige, fehlerfreie Meldung

Viel besser ist aber, wenn man auf Rechtsquellen verweisen kann, die sich schon mit ähnlichen Themen beschäftigen.

Fußball ist unser Freund, zumindest seine Urteile


Es gab am 15.08.207 vom OLG Hamm (Az 20 U 05/07) ein Urteil, wo der beklagte Versicherer verurteilt wurde die Leistung einer UV zu zahlen, weil ein Spieler beim Fußball umgeknickt ist, was eine dauerhafte Invalidität nach sich zog. Die haben die o. g. Einwände versucht, sind aber gescheitert, weil die Anwälte des Klägers sauber argumentiert haben (vgl. Liste oben).
Ein neueres Urteil ist mir nicht bekannt. Anscheinend genügt es aber mit Verweis auf dieses Urteil zu argumentieren - einen Anwalt voraus gesetzt - und die Versicherung zahlt bereits außergerichtlich und lässt es nicht auf einen Streit ankommen. Zumindest wenn man sich den Artikel über Leistung der ARAG bei einem Kreuzbandriss der Kanzlei L & P Luber Pratsch Rechtsanwälte glauben darf.

<< Ich hätte ja zu gerne deren Schrifverkehr gelesen, bezweifle aber, dass man mir diesen geschwärzt zukommen lässt. Wäre aber toll, gab ja immerhin einen Link. Voll toll und so! >>

Fazit - Schlammageddon gut, alles gut


Wer eine Unfallversicherung hat - für gute Tarife empfehlen wir einen Vergleich (siehe Link Leiste - notfalls per online Rechner besser per Berater, weil kostet nicht extra) - der kann Leistung bekommen, wenn er sich auf dem Drachenfest beim Schlammageddon eine Verletzung zu zieht. Kommt halt auf die Umstände und die Formulierung an. Für erstere kann keiner was, für letzteres sollte man sich Profis an Bord holen. Wir lassen das übrigens auch von Anwälten machen, denen wir zuarbeiten.

Über andere für LARPer geeignete Versicherungen folgen irgendwann Artikel. Ich wünsche allen ganz viel Spaß, ein paar gute Tage und ordentliche Seegefechte in Gummibooten... ;)

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