Donnerstag, 5. Oktober 2017

Die Continentale im Tarif Economy - Oder wie eine PKV ihren Versicherten ruiniert!

Die krassesten Geschichten schreibt ja bekanntlich das Leben. Und hier haben wir ein besonders krasses Beispiel. Herzlichen Dank an den Kollegen Sven Hennig - ein guter Kollege von mir, der sich stark mit Krankenversicherungen auskennt - der dieses extreme Beispiel über das Opfer einer privaten Krankenversicherung publik machte. Wir wollen eine andere Sicht ergänzen:

Wer ist die Sau: Welcher Tarif und welche Gesellschaft?


Die Continentale ist eigentlich eine gute private Krankenversicherung (PKV), welche starke Tarife im Programm hat. Am Anfang meiner Berufslaufbahn war ich sogar selbst dort versichert, habe mich aber aus Leistungsgründen und wg. dem u. g. Beispiel - was die Continentale damals als theoretischen Unfug abgetan hat - zum Wechsel entschieden. Randbemerkung: die Continentale die drei scheusslichsten Todesfallen der PKV (West) im Programm:
  • Tarif CB
  • Tarif Economy
  • Tarif Comfort
Alle diese drei Tarife haben eines gemeinsam, sie sind billig! Hier ein realer Screenshot aus 2010, wie das Zeug verkauft wurde. Bitte auf die Spalte SB (=Selbstbeteiligung) achten. Dort haben die Programme früher den Tarif mit 0,00€ oder fast keiner SB gerechne. Das können Sie prüfen indem Sie die Spalte Beitrag gegenüber der Spalte Beitrag mit SB vergleichen (was eine auf 1/12 umgerechnete Selbstbeteiligung ist).
Und weil es scheiße aussehen würde, wenn da maximal 5.000€ stehen würde, hat man einfach nur 500€ SB pro Jahr angenommen. Der Software Anbieter möchte ja Kunden behalten und die Continentale PKV Tarife verkaufen. Angeblich kam es aber so nie zusammen. Eine offizielle Stellungnahme warum NIE ehrlich die 5.000€ ausgewiesen wurden, gibt es bis heute nicht. Der Schluss liegt aber auf der Hand bzw. steht ja oben.
Das *) aus der Tabelle wurde in der Gesamtdokumentation NICHT erklärt. Aus Datenschutzgründen (zu viel Schwärzungen) kann ich aber nicht die ganze Datei hochladen.



Modernere und bessere Programme sind da ehrlicher. Vergleichen Sie dazu den Umstellungsvorschlag für den gleichen Kunden aus 12/2015. Hier erscheint ein Warnhinweis, die klare Betonung auf die 5.000€ Selbstbehalt und der Verweis auf die gesetzliche Begrenzung durch §193 VVG.

ABER: Das Schrottprogramm oben gibt es kostenfrei und das unten kostete damals 120€/Monat. Raten Sie mal wie viele Leute das untere Programm benutzen!?
Und auch hier sind die 5.000€ im Text versteckt statt oben zu erscheinen, wo das Ausrufezeichen steht. Wie viel Geld zahlt die Continentale den Vergleichsprogrammen dafür so zu agieren? Offiziell natürlich gar nichts, sind ja alle neutral... Also alles in Ordnung?



Das auch nur auf den ersten Blick, denn der Teufel kommt im Detail. Dazu die echte Anfrage vom 05.10.2017 aus dem Chat des Kollegen. Lesen Sie selbst...

15.000€ Selbstbeteiligung in drei Jahren



Wie ist das möglich, will man meinen? Nun, das hängt mit den Tarifdetails zusammen. Oben können Sie erkennen, dass die 5.000€ pro Jahr anfallen. Wie es also sein kann, dass er in 2,5 Jahren so viel zahlt? Weil die 5.000€ theoretisch schon im Januar anfallen könnten und bezahlt werden müssen.

Aber wie kann das sein, wo kommt so eine Summe her?

Beispiel eines Unfallopfers


  • 10 Tage Krankenhaus
  • 03 Medikamente (2x täglich, 1x täglich)
  • 08 Tage Krankengymnastik (02x täglich)
  • 02 Blutuntersuchung
  • 02 Stuhluntersuchung
  • 01 Kernspintomografie
  • 01 Augenärztliche Untersuchung durch Belegarzt mit Geräteauswertung und Tropfenverschreibung

Könnten Sie berechnen wie viel Selbstbeteiligung das macht? Die alten (!) Unterlagen wecken den Eindruck, dass es nur die 10€ pro Tag im Krankenhaus sind. Die Realität ist aber leider:

  • 10x10€ Krankenhaustag
  • 03x10€ Medikamente
  • 16x10€ Krankengymnastik
  • 04x10€ Blutuntersuchung (Doppeluntersuchung mit Probe)
  • 02x10€ Stuhluntersuchung
  • 01x10€ Kernspintomografie
  • 03x10€ Augenarzt, Geräte (=Augenarzt Labor), Medikament Augenarzt
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400€ Selbstbeteiligung

Jeder einzelne Fall ist zu bewerten. Und das Beispiel des Unfallopfers ist noch billig, denn es kommt ggf. noch Reha/AHB (Anschlussheilbehandlung) hinzu, ggf. Krankengymnastik, manuelle Therapie, Kontrolluntersuchungen, Medikamente etc. Ein simpler Unfall kann also schnell mal 1000€ Kosten und mehr verursachen.

Beispiel eines Patienten mit Nierenschaden


52x 02 Dialysen pro Woche
52x 04 Krankenfahrten zur Dialyse
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 6240€ Selbstbeteiligung

Das Taxi ist nicht erstattungsfähig, obgleich manche Krankentransporte "nur" Taxis sind. Das sorgt durchaus für Streitfälle in der Praxis, ist aber hier nicht relevant. Aber Moment! Der aufmerksame Leser will meinen, dass die Limitierung auf 5.000€ gesetzt ist. Falsch gedacht!

5.000€ Grenze laut Continentale nur für Kunden ab 2009


Im Jahre 2009 gab es eine Reform des Versicherungsvertragsgesetztes (VVG), wo diese Limitierung eingeführt wurde. Die gab es vorher nicht! Das bedeutet, dass bei Altkunden nur der Tarif (hier Stand 01.09.2010) gelten würde und nicht die gesetzliche Grenze, behauptet die Continentale. Und dort steht:


Und was fehlt dort? Genau, die Limitierung auf 5.000€ Selbstbeteiligung. Angeblich stellt sich die Continentale tatsächlich auf diesen Punkt und riskiert eine Klage. Schwer zu glauben aber im Zusammenhang mit diesem Tarif wurde die Continentale schon bis vor den BGH verklagt, wo sie verloren hat!
Und nicht dass Sie glauben die Continentale wäre um Transparenz oder Ehrlichkeit bemüht.

Continentale verschweigt noch heute die Risiken des Tarifs Economy


Soeben habe ich die Homepage der Continentale besucht, wo sie den Tarif Economy bewerben. Und was soll ich sagen? Der Schweineladen verschweigt den fetten Nachteil immer noch aber wirbt mit den ganzen Vorteilen, vor allem dem vermeintlich tollen Vorteil bei der Selbstbeteiligung. Bei 5.000€ maximaler SB die marktüblichen 600€ zum Vergleich zu nehmen, ist schon unverschämt. Pfui! Ich habe Ihnen die entsprechende Passage rauskopiert.



Was sollte ich tun, wenn ich im Tarif Economy versichert bin?


Rette sich wer kann! Ernsthaft, volle Kraft voraus und weg da! Es gibt verschiedene Möglichkeiten:
  1. Interner Tarifwechsel der Continentale gem. §204 VVG (präferierte Lösung)
  2. Wechsel der Privaten Krankenversicherung (Notlösung)
Sie müssen und dürfen nicht in diesem Tarif verrotten. Nur wer sehr viel Geld über lange Zeit ausgeben kann, sprich Vermögen hat und nicht auf seine Arbeitskraft angewiesen ist, darf hier versichert sein. Wer erstnhaft krank wird, beispielsweise Krebs oder einen Organschaden erleidet, der wird an diesem Tarif zu Grunde gehen, weil er die Selbstbeteiligung nicht bezahlen kann.

Sie können selbst versuchen einen Tarifwechsel durch zu führen. Die Erfahrung zeigt aber, dass Sie einen Profi beauftragen sollten. Auch wenn es Geld kostet, die Versicherungen zahlen keine Provision und bestrafen Vermittler durch niedrigere Bestandsprovisionen nach dem Wechsel, ein Profi spart Ihnen zumeist mehr Geld, kann Ihnen die Unterschiede aufzeigen und verhindert, dass die Versicherung Sie über den Tisch zieht. Und das ist schon mindestens einmal passiert, sonst müssten Sie jetzt nicht über eine Lösung nachdenken...

Sie finden unsere Kontaktdaten am Rand. Wenn Sie im Tarif Economy der Continentale sind, handeln Sie bitte jetzt, tun Sie sich selbst einen Gefallen.

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