Donnerstag, 19. Oktober 2017

Was muss ich tun, wenn eine mir nahe stehende Person stirb?

Sterben ist scheiße, keine Frage. Zynisch formuliert - ich muss ja meinem schlechten Ruf gerecht werden - hat es der/die Verstorbene aber hinter sich. Der Ärger für die Angehörigen fängt jetzt erst an. Was ist also zu tun, die Kurzversion:

  1. Bestattung
  2. Behördengänge
  3. Testament zum Nachlassgericht
  4. Beantragung Erbnachweis
  5. Kündigung von Verträgen
  6. Grundbuch berichtigen lassen
  7. Grabpflege
Klingt alles erstmal nicht wild, muss aber im Details etwas aufgedröselt werden. Da ich vergangene Woche zwei Sterbefälle im Bestand hatte, kam die Frage erneut auf. Deshalb hier eine Checkliste, welche die Angehörigen in dieser Reihenfolge abarbeiten können.
Ein paar unterstützende Dienstleistungen sowie vorbeugende Maßnahmen erwähnen wir im Anschluss zum Ende hin.

Checkliste für Angehörige im Todesfall

  1. Totenschein vom Arzt besorgen
  2. Sterbefall beim Standesamt mittels Totenschein anzeigen
  3. Beauftragung eines Bestattungsunternehmens
  4. Optional Aufgabe einer Todesanzeige in der Presse
  5. Optional Absprache Bestattungstermin und Trauergespräch mit dem Pfarrer
  6. Erstellung Kondolenzliste
  7. Organisation Trauerfeier
  8. Trauerkarten & Danksagungen
  9. Zusendung von Testamenten - ja, es kann mehrere geben - an das zuständige Nachlassgericht
  10. Beantragung eines Erbscheins (ggf. RA/Notar)
  11. Regelun Grabpflege
  12. Meldung Todesfall bei Rentenstelle
  13. Meldung Todesfall an Arbeitgeber
  14. Kündigung Wohnung
  15. Sichtung des Nachlasses
  16. Abwicklung der Bankangelegenheiten (z. B. Auflösung v. Konten, Sperrung der Kreditkarten etc.)
  17. Kündigung sonstiger Vertragsverhältnisse, notfalls via Widerruf LEV (Strom, Müll, Telefon, Handy, Abos, Internetprovider, Versicherungen, Email Adresse etc.)
  18. Abmeldung/Ummeldung von Kfz
  19. Auflösung von Mitgliedschaften bei Vereinen o. A. Organisationen
  20. Postnachsendeauftrag für die Erben
  21. Erfüllung von angeordneten Vermächtnissen (notfalls via RA/Notar beraten lassen)

Zugegeben ein ganz schön anspruchsvolles Pensum, zumal Trauer meist mehr als nur eine Begleiterscheinung ist. Aber zu Lebzeiten kann man schon einiges tun, was zumindest den Aufwand minimiert. Und es GIBT KEINEN GRUND, sich nicht schon zu Lebzeiten darum zu kümmern. Es nicht zu machen zeugt von Ignoranz, von Fahrlässigkeit im besten Fall.
Folgende Dokumente sollten bereits zu Lebenzeiten vorliegen:



#Betreuungsverfügung

Wer selbst nicht mehr entscheiden kann, bspw. wegen Unfall oder Demenz, der kann mit diesem Dokument regeln wie, wo und von wem er betreut werden möchte. Wird das zu Lebzeiten vergessen, kann ein gerichtlicher Betreuer bestellt werden, der sogar das Vermögen und Taschengeld des zu Betreuenden veräußert bzw. kürzt.
Je genauer es formuliert ist, umso besser. Und da es formfrei ist, kann auch fast alles (legale) erfasst werden. Beispielsweise könnten Sie schrieben, dass der Schwiegerdrache sie keinesfalls betreuen darf und das Gericht würde diesen Wunsch akzeptieren.
Großer Vorteil gegenüber der Vorsorgevollmacht ist, dass Sie eine Betreuungsverfügung auch dann verfassen können, wenn Sie nicht mehr voll geschäftsfähig sind.

Sie können eine Vorlage einer Betreuungsverfügung beim Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz herunterladen. Achten Sie nur darauf, dass diese auch gefunden werden kann. Ein guter Aufbewahrungsort wäre das Vorsorgeregister des Bundesnotarkammer.

#Vorsorgevollmacht

Dieses Dokument, das wie ein Vertrag aufgebaut ist, bevollmächtigt eine Person (z. B. nicht zwingend Ihren Betreuer) künftig für Sie tätig zu werden.
Erlaubt ist fast alles, fast. Für einige Rechtsgeschäfte (z. B. Immobilien oder Gewerbe-Angelegenheiten) benötigen Sie notarielle Beglaubigungen. Und freiheitsentziehende Maßnahmen können nur von einem Gericht angeordnet werden, das können z. B. Beruhigungsmedikamente oder geschlossene Heime sein.Auch sehr persönliche Bereiche wie gefährliche Operationen, Heiraten oder das Testament können damit nicht genehmigt werden.

Anders als die Betreuungsverfügung unterliegt die Vollmacht keiner Kontrolle, der Bevollmächtigte kann agieren, wie er es für richtig hält. Deshalb ist diese nur an wirklich vertrauenswürdige Personen zu erteilen, denen man uneingeschränkt vertraut, damit das Risiko eines Missbrauchs minimiert wird. Wem das zu heikel ist, der ist mit einer Betreuungsverfügung ausreichend bedient.

Ein Vorteil gegenüber der Betreuungsverfügung ist, dass die Vollmacht ohne großen Aufwand erstellt werden und jederzeit widerrufen werden kann. Auch kann ihre Gültigkeit zeitlich eingeschränkt sein. Der Bevollmächtigte kann im Fall der Fälle sofort handeln und braucht nicht erst eine gerichtliche Bestellung abwarten.

ACHTUNG: Da sie auch nach dem Tod gilt und manchmal die Erben die Vollmacht widerrufen wollen, sollten Sie genau festhalten was nach Ihrem Tod geschehen soll.

Tipp: Lassen Sie die Vollmacht notariell beurkunden, dann dürfen Banken auch keine eigenen Dokumente mehr verlangen sondern müssen diese Vollmacht akzeptieren.

Hinterlegt werden kann Sie überall. Am besten geben Sie dem Bevollmächtigten eine Kopie. Ein anderer Ort wäre erneut die Bundesnotarkammer, wo Sie für kleines Geld das Dokument hinterlegen können.
Auch wenn wir ausdrücklich die Erstellung in Zusammenarbeit mit einem Anwalt oder Notar empfehlen, können Sie sich zur ersten Orientierung die Vorlage einer Vorsorgevollmacht des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz runterladen.

#Patientenverfügung

Kontroverses aber wichtiges Thema, zu dem viele Mediziner Fachbeiträge verfassen. Wikipedia sagt dazu.

Eine Patientenverfügung ist eine Willenserklärung einer Person für den Fall, dass sie ihren Willen nicht mehr (wirksam) erklären kann. Sie bezieht sich auf medizinische Maßnahmen wie ärztliche Heileingriffe und steht meist im Zusammenhang mit der Verweigerung lebensverlängernder Maßnahmen. Was genau unter einer Patientenverfügung zu verstehen ist, richtet sich nach der jeweiligen (nationalen) Rechtsordnung. Zitat Ende

Vereinfacht ausgedrückt wird hiermit Ausdruck verliehen welche medizinischen Maßnahmen gewünscht sind und welche nicht.
Die Schwierigkeit ergibt sich aus der Praxis, da Mediziner erstmal verpflichtet sind alles Menschenmögliche zu unternehmen um Sie zu retten. Aber was ist mit interpretationsfähigen Aussagen a la "keine lebenserhaltenden Maßnahmen"? Diese führen Mediziner in Problemzonen, weshalb diese dem eher nicht Folge leisten werden, egal welchen Druck Angehörige aufbauen. Ich bitte an der Stelle um Verständnis, denn was sonst könnte ein Arzt tun ohne sich selbst massiven strafrechtlichen Ansprüchen aus zu setzen?
Wichtig ist also, dass möglichst genau beschrieben wird was, wann unter welcher Bedingung möglich ist. Hier gilt also nicht nur die juristische Beratung - die einfach, da formlos ist - sondern vor allem um die medizinische Beratung. Sie benötigen also einen Dienstleister. Wenn Sie es falsch machen, könnte dies zur Nichtigkeit der gesamten Verfügung führen. Der Vollständigkeit halber auch hier der Link zur offiziellen Quelle des BMJV. Wir warnen jedoch ausdrücklich davor aus falschen Kostengründen hier nur eigenständig tätig zu werden! Aber einige Ratgeber zu lesen um einen ersten Überlick zu erhalten, bietet sich an.

#Testament

Dazu wären eigene Artikel nötig, die irgendwann folgen werden. Ein Testament ergibt Sinn und sollte von einem Anwalt oder Notar begleitet werden damit nichts vergessen wird oder das Testament nicht wg. einer Kleinigkeit für nichtig erklärt wird.

Kontaktperson für den Todesfall

Klingt logisch aber wird oft vergessen. Bestimmen Sie ein bis zwei Personen, die im Fall der Fälle Zugriff erhalten und sich um ihren Nachlass kümmern können.

Fundort aller notwendigen Unterlagen

Gleiches gilt für den Fundort. Hinterlegen Sie Kopien beim Zentralregister, Ihrem Versicherungsprofi sowie bei der Person, die sich um alles kümmern muss. Viel hilft viel! Ansonsten gilt die Empfehlung der:

Bundesnotarkammer Zentrale Vorsorgedatenbank (VZR)


Bei der Bundesnotarkammer können auch Privatpersonen Ihre Dokumente sicher aufbewahren. Der gleiche Ort, wo auch Rechtsanwälte und Notare ihre Unterlagen hin senden. Das alles für einen schmalen Taler von einmaligen max. 15,50€.
Die Vorsorgedatenkbank wird von Krankenhäusern und anderen Stellen immer kurz angefragt, da deren System 24/7 über einen gesonderten Zugang via Web erreichbar sind. So ist auch bei schweren Unfällen, sprich wenn Eile geboten ist, fix die Sachlage geprüft. Die Abfrage läuft standardmäßig, es ist also die Ausnahme, wenn dies (z. B. durch menschliches Versagen) nicht geschehen sollte.

Welche Dienstleistung bietet Ihnen ein guter Versicherungsonkel?

Ein guter Versicherungsmakler (vlt. auch einige gute Vertreter) kann Ihnen Empfehlungen für passende Dienstleister aussprechen, da er in seinem Netzwerk normalerweise die nötigen Fachleute kennt. Meist in Form professionalisierter Firmen, die auch in Abrechnung gegenüber der Rechtsschutzversicherung geübt sind. Ja, gute Rechtsschutz Tarife übernehmen im Rahmen der Vorsorge-Beratung die Kosten. Es gibt sogar einige Tarife, die damit werben und auch in anderen Bereichen stark sind. Fragen Sie uns, wenn Sie mehr erfahren möchten.

Ansonsten sollten Sie diese Dienstleistungen für eine geregelte Nachfolge bekommen:
  • 24/7 digitalen Kundenordner inklusive Vertragsübersicht
  • 24/7 App Zugang
  • Digitale Archivierung der Vollmacht für den Todesfall
  • Scan-Service für die Hinterbliebenen-Ordner
  • Tipps zur steuerfreien bzw. steueroptimierten Vererbung
  • Herauskramen der Leichen im Keller

So kann ein guter Versicherungsmakler den Angehörigen einen Großteil der lästigen Arbeit abnehmen, da er auf Knopfdruck die Verträge aktualisiert, die Ausdrucke für Steuer und Erbe vorbereitet und die Gesellschaften über den Trauerfall in Kenntnis setzen kann.
Auch ist so gewährleistet, dass keine Verträge versteckt werden indem jemand durch Nichtnennung versucht sie an der Erbmasse vorbei zu schmuggeln. Sie wären erstaunt wo in der Praxis Notfallgroschen, Sparverträge, Auslandsimmobilien, Bankschließfächer oder gar Ausbildungskonten für uneheliche Kinder auftauchen...

Über diesen spannenden wie moralisch verwerflichen Teil der Arbeit schreibe ich übrigens mit Kollegen ein Buch. ;)



Und sollte ihr Versicherungsvermittler das nicht können, so freuen wir uns bei Die Finanzprüfer e. K. - unser gewerblicher Auftritt - über Kontaktaufnahme. Einfach dem Link folgen oder eine Mail schreiben.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen