Freitag, 26. November 2010

Versteckte Provisionszahlungen begründen Schadensersatz

Eine Geschichte:

Einem Anleger wurde Ende der 1990er von seiner Bank ein geschlossener Immobilienfonds für 300.000 DM empfohlen, aus Steuergründen zur Hälfte kreditfinanziert. 2006 ging der Fonds in die Insolvenz, ein Totalverlust trat ein. Nebenbei verschwieg die Bank ihre 12.000 DM Rückvergütung für den Verkauf. Pfui...

Da aber derartige Zahlungen (auch noch höhere) häufig sind, muss der Anleger darüber informiert werden um prüfen zu können, in wie weit die Anlage seinen Zielen dient. Der Interessenkonflikt muss von der Bank seit 1990 offengelegt werden. Wird dies unterlassen, ist eine Rückabwicklung in den Ursprungszustand möglich.

Wann tritt die Verjährung ein?

Die Verjährung beträgt drei Jahre ab Kenntnisnahme, bei allen vor 2002 getätigten Anlagen endet sie pauschal zum 31.12.2011. Das Urteil kann auch auf andere Finanzinstrumente ausgedehnt werden, die Beweisführung obliegt der Bank. Für Lehmann-Brothers-Geschädigte gelten teilweise andere Regeln.
Der geneigte Leser kann die dazugehörigen Urteile gerne verfolgen: AZ: XI ZR 586/07 vom 12.5.2009, AZ: XI ZR 308/09 vom 29.6.2010

Provisionsoffenlegungspflicht für freie Anlageberater ausgeweitet

In seinem Grundsatzurteil hatte der BGH (Az III ZR 196/09) keine unaufgeforderte Offenlegung der Provisionen gefordert. In einem noch nicht bestätigen Urteil hat das OLG Düsseldorf (Az I-6 U 136/09) die Offenlegungspflichten von reinen Bankberatern auf freie Anlageberater ausgedehnt.

Das Urteil dient der Vermeidung von Interessenkonflikten. Das Argument, dass der Berater von Dritten eine Vergütung erhällt, nur weil der Kunde keine gesonderte Provision entrichtet, ist damit hinfällig. Die Aushändigung eines Prospekts, in welchem alle Kosten dezidiert aufgelistet sind, genügt nicht.

Die Finanzbranche, welche sich Rechtssicherheit durch das BGH-Urteil erhoffte, wird in weiteren Rechtsstreitigkeiten versuchen ihre gegenläufige Meinung zu bestärken. Bis dato müssen die Vertriebsprovisionen auf den Cent genau offen gelegt werden.

Fraglich ob das den gewünschten Erfolg bringt. Natürlich sollten Verbraucher wissen was etwas kostet, ist beim Auto sowie anderen hochpreisigen Gütern genauso, warum aber die Marge des Vermittlers bennant werden muss ist mir schleierhaft.
Seis drum, es ist Rechtssprechung und damit verbindlich. Naja so halb zumindest, könnte ja noch gekippt werden.

Donnerstag, 11. November 2010

Kostenfreie Informationen zu Zertifikaten

Der Deutsche Derivate Verband (DDV) bietet kostenfreie Informationen zu Zertifikaten, speziell zu Discount Zertifikaten zum Download an.
Wertpapiere (WP) gehören in jedes gutes Portfolio. Um aber überhaupt entscheiden zu können ob und was etwas taugt, muss man sich zumindest einmal damit beschäftigt haben. Nur dann kann ein Vergleich zu alternativen Geldanlagen sauber getroffen werden, denn auch die allseits gepriesenen Fonds sind nicht die universelle Wahrheit, die sich mitnichten für jeden Anleger eignen.

Im Laufe der nächsten Tage folgt meine persönliche Meinung zu dem Thema. Viel Spaß bis dato.

Berunfsunfähigkeitsversicherung: Wofür Schutz gegen Strahlen?


Berechtigte Frage, welche mir auch gestern Abend gestellt wurde. Mag sein, dass bei Erwachsenen die Gefahr einer strahlenbedingten Berufsunfähigkeit vergleichsweise gering ist. AKW Techniker wissen um die Gefahr und auch Wüstenforscher wissen um die gefährliche Menge UV. Was aber bei jenen, die sowas unterschätzen? -> Kinder!

Es soll ja vorkommen, dass Eltern für Ihre Kinder BU- Versicherungen abschließen. Was dann, wenn der Sprößling sich für den Asi- Toaster (Altdeusch Sonnenbank) entscheidet? Der Fall der Alin J. (18J.) aus Düsseldorf (vgl. Bild) ist mir heute beim Frühstück wirklich rein zufällig begegnet.
Das Mädchen ging auf die Sonnenbank. Die Beratung war schlicht bis falsch und das Gerät zu stark für die Anfängerin im Bereich Körperbräune. Sie erlitt Verbrennungen ersten Grades und fiel mehrere Wochen aus, konnte weder richtig sitzen, schlafen noch sich bewegen.

Nochmal gut gegangen, doch es geht auch anders

In diesem Fall ist die Sache nochmal gut gegangen, was aber bei Verbrennungen zweiten bzw. dritten Grades, welche laut Experten überhaupt nicht unwahrscheinlich sind? Lassen Sie den Sproß auch ruhig nach Mallorca oder woanders in die UV- Bratpfanne reisen...

Was will uns das also sagen? Erwachsene können durchaus abwägen in wie weit das Risiko tragfähig ist, für die Unbekümmerheit Ihrer Kinder können jedoch die wenigsten etwas. Dumm nur, wenn dann nicht gezahlt würde.

Dienstag, 9. November 2010

Genialer Winkelzug

Liebe Leser, heute geht es nicht direkt um Versicherungen und Banken sondern um einen sportlichen Spielzug. Schauen Sie sich das Video kurz an und überlegen Sie sich in wie fern es in der Finanzdienstleistung manchmal Sinn ergibt von der Norm abzuweichen, eben nicht zu tun was alle tun.

Freitag, 5. November 2010

Wie die Geliebte den Versicherungsschutz vernichtet...

Liebe Leser, Sie möchten gerne eine Geschichte aus dem Leben hören? In Ordnung:

Es war einmal ein Abteilungsleiter eines großen DAX Unternehmens aus Deutschland. Der fuhr mit seinem sündhaft teuren Sportwagen nach la bella Italia - Italien, das Land der gesunden, mediterranen Küche.
An Bord war massenhaft Geld und eine Geliebte um dieses aus zu geben. Leider sollte eine nasse Fahrbahn den Wagen ins Schleudern bringen. Es krachte, der Schaden war unmerklich. Die Carabineros wurden eben so wenig gerufen wie die Policia, war ja nichts...
Denkste, von wegen! Zurück in Deutschland stellte die Werkstatt Schäden von 17480€ fest, der Geschädigte reichte deshalb den Schaden zur Regulierung bei seiner Versicherung ein. Unfallbogen erhalten, alles ausgefüllt und die Unterlagen zurück geschickt, die Geliebte fehlte bei den Angaben. Als hätte es die Versicherung gerochen, kam ein erneuter Anhörungsbogen mit erneuter Frage nach Zeugen. Kleinlaut gab der Sünder (haha, wie doppeldeutig) zu, dass er seine Geliebte dabei hatte. Er habe es nicht angegeben, weil er verheiratet ist und zwei Kinder mit seiner Frau hat. Anmerkung der Redaktion, über Kinder mit anderen Frauen stand nichts im Bericht. Er wollte seine Ehe nicht gefährden und hatte Angst, darum hatte er die Geliebte ursprünglich verschwiegen.

Wer kommt für den Schaden auf?

Tage vergingen, es erfolgte keine Zahlung. Der Versicherer weigerte sich, warum kann sich wohl jeder denken. Nein, keine moralischen Gründe, die kennen Versicherer nicht... oder eher selten. Ne, der Blödmann hat gegen seine Aufklärungs- und Mitwirkungspflichten verstoßen.
Also ab ans LG Dortmund (LG Dortmund, 23.04.2010 - 22 O 171/08) und Klage eingereicht. Schlappe Nummer eins! Schön finde ich das Urteil, ein Zitat:
"Nach Ansicht der Richter am LG Dortmund könne auch die Tatsache, dass der Versicherungsnehmer seine Geliebte deshalb nicht als Zeugin angegeben hat, um zu verhindern, dass seine Ehefrau von seiner Liebschaft erfuhr, nicht als Entlastung dienen. Denn es sei nicht ersichtlich, dass das Aufklärungsinteresse der Assekuranz hinter dem Interesse des Versicherungsnehmers, seine Beziehungen störungsfrei zu koordinieren, zurücktreten müsste, so die Richter abschließend."
Soso, das Aufklärungsinteresse der Assekuranz darf nicht der störungsfreien Koordination seiner Beziehungsinteressen hinten an stehen. Irgendwie logisch.

Rechtsmittel noch möglich

Es geht aber weiter, denn man könnte ja Revision (Berufung, kA da ich kein Jurist bin) einlegen. Die Rechter merkten leicht sarkastisch an, ob der Kläger es denn für klug hielte angesichts der Situation öffentlich Staub auf zu wirbeln... ich hoffe demnächst weiter über ihn berichten zu können! :D

Donnerstag, 4. November 2010

Bänkerbashing - Auf die Bänker, fertig, los...

Manchmal gibt es Meldungen, die gehen runter wie Öl. Unsere Regierung hat etwas erkannt, Finanzdienstleister sollten sich gegen Falschberatung absichern. Das wird jetzt im Anlegerschutzgesetz eingefüht, hurra! 1.200.000€ reichen zwar nicht für vermögende Kunden, aber da ist man ohnehin angeraten etwas mehr zu versichern...

Bankberater künftig bei der BaFin registriert

Und die selbsternannten Berater bei den Banken, die Bankberater, sollen zukünftig bei der BaFin registriert werden. Zielsetzung, dass die Beschwerden hierhin gehen und von dort Berufsverbote ausgesprochen werden dürfen. Das ist ja mal endgeil, wäre toll wenn das geschieht. Nur arbeiten die Banken massiv dagegen, warum nur, sind doch keine Geschäfte möglich, wenn man keine Abzocker... äh Berater mehr hat.

Warum das gut ist?


Gut betrifft nicht alle, aber jenen welcher der Schuh passt, die werden ihn sich schon anziehen... :)
Mal ehrlich, Versicherungsleute dürfen Bankprodukte beraten und Bänker dürfen Versicherungen verkaufen. Die Zeiten des Bauchladens sind vorbei, Zeit dass jeder sich auf seine Kernkompetenzen konzentriert... und diese auch gleichen Standards unterworfen sind.