Donnerstag, 31. Oktober 2013

BU-Aktion und Risikolebensversicherung mit vereinfachter Prüfung - Leider eine Mogelpackung!

Eine weitere Versicherung schickt sich an um mit einer Aktion Kunden zu fangen. Löblich, zumal die Versicherung sogar sechs Monate kostenfreien Vorversicherungsschutz in voller Höhe anbietet. Leider steckt der Teufel im Detail, denn die Gesundheitsfragen sind alles andere als einfach.

Vereinfachte Gesundheitsprüfung


  1. Körpergewicht (ohne Kleidung) & Körpergröße
  2. Leiden oder litten Sie jemals an einer der folgenden Krankheiten oder Infektionen: Herzinfarkt, Bypassoperation, Krebs, Schlaganfall, Multiple Sklerose, Diabetes (Zucker), Lähmungen, HIV (Aids), der Psyche, des psychosomatischen Formenkreises oder in den letzten fünf Jahren an einer Erkrankung der Nieren, der Wirbelsäule oder liegt ein Grad der Behinderung (GdB) vor, oder wurde ein solcher beantragt?
  3. Sind Sie in den letzten 12 Monaten von Ärzten, Heilpraktikern oder anderen Therapeuten untersucht, beraten oder behandelt worden oder sind solche Maßnahmen derzeit vorgesehen? Vorsorgeuntersuchungen ohne konkreten Beschwerde- oder Krankheitsanlass und ohne pathologischen Befund müssen nicht angegeben werden.
  4. Nichtrauchererklärung – Ich habe in den vergangenen 12 Monaten: keine Zigaretten geraucht ODER Zigaretten geraucht. Mir ist bewusst, dass eine unrichtige Erklärung den Verlust bzw. die Reduzierung des Versicherungsschutzes zur Folge haben kann.
Hinweis: Sind alle Gesundheitsfragen mit »nein« beantwortet, ist eine Teilnahme an der Aktion möglich. Wird eine Gesundheitsfrage mit »ja« beantwortet, ist die volle Gesundheitsprüfung
erforderlich. Bitte verwenden Sie hier das Antragsformular XXXX.

Für BUZ zwei zusätzliche Fragen

  1. Hatten Sie in den letzten 5 Jahren wegen der gleichen Erkrankung mindestens 4 Mal Arzt- oder Arztpraxiskontakt (ambulant oder stationär) oder sind in den nächsten 12 Monaten
    ärztlicherseits Untersuchungen oder Behandlungen angeraten? Vorsorgeuntersuchungen ohne konkreten Beschwerde- oder Krankheitsanlass und ohne pathologischen Befund müssen
    nicht angegeben werden.
  2. Wurden Ihnen Lebens-, Berufsunfähigkeits-, Erwerbsunfähigkeits-, Grundfähigkeits- oder Pflegeversicherungsanträge in den letzten 5 Jahren abgelehnt, zurückgestellt bzw. wurden
    Beitragszuschläge oder Leistungseinschränkungen gefordert?
Hinweis: Sind alle Gesundheitsfragen mit »nein« beantwortet, ist eine Teilnahme an der Aktion möglich. Wird eine Gesundheitsfrage mit »ja« beantwortet, ist die volle Gesundheitsprüfung
erforderlich. Bitte verwenden Sie hier das Antragsformular XXXX.

Mein Fazit: Wollen die mich auf den Arm nehmen?


Vereinfachte Gesundheitsprüfungen sind ein probates Mittel um an Kunden zu kommen, dann aber bitte richtig und keine solche Mogelpackung! Die vereinfachten Prüfungen zielen doch auf Personen ab, welche schon mal ein paar Wehwehchen haben. Aber jedes Wehwehchen wird mehr als einen Arztbesuch verursacht haben, ansonsten wäre es auch in einer normalen Prüfung höchstwahrscheinlich kein Problem, was in der Folge dazu führt, dass ohnehin immer der normale Antrag benutzt werden muss. Denn sobald irgendwo ein "ja" auftaucht, ist der Aktionsantrag gar nicht möglich.
Gehe ich meine gängigen Listen der Erkrankungen durch, finde ich spontan keine, wo mir dieser Antrag etwas nutzt. Aber gut, womöglich bin ich ja nur beschränkt, ein ganz blöder Tor, vor dem Berg stehend eben...

Dienstag, 29. Oktober 2013

Unfall beim Privattelefonat, die Berufsgenossenschaft zahlt nicht

Vor dem hessischen LSG erlag mit Urteil vom 17.09.2013 (Az. L 3 U 33/11) ein Lagerarbeiter. Er hatte seine Halle verlassen um kurz mit seiner Frau zu sprechen, auf dem Rückweg stürzte er und erlitt eine Kreuzbandruptur. Sein Anliegen den Sturz als Berufsunfall zu werten wies die BG zurück.

Keine Tätigkeit im Vorbeigehen


Nur zeitlich und räumlich begrenzte Tätigkeiten werden von der gesetzlichen Unfallversicherung erfasst, also alles "im Vorbeigehen" oder "nebenher". Da das Telefonat drei Minuten dauerte und der Mann mehr als 20m vom Arbeitsplatz entfernt war, verneinten die Richter hier einen Betriebsunfall.
Genaue Richtlinien existieren nicht aber dieses Urteil schließt sich all jenen an, welche die Grenzen für einen BG Unfall eng auslegen. Schutz hilft nur eine private Versicherung, welche 24/7 leistet, egal wo der Unfall eingetreten ist...

Gefahr auch für Büroberufe & Raucher


Wer im Großraumbüro sitzt und zum telefonieren raus geht, egal ob vor die Tür oder auf den Balkon, hat das gleiche Problem. Wer zum Rauchen mal eben weg ist, ist idR auch nicht versichert. Und selbst beim Gang zum Essen und zur zurück, sogar der hauseigenen Kantine, gilt oft die Lücke im Schutz! Es gibt jeweils analoge Urteile dazu.
Schutz bietet nur private Versicherungen, vergleichen Sie rechts selbst oder kontaktieren Sie uns jetzt.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Pferdehalter haftet, auch wenn jemand unerlaubt reitet bzw. selbst Schuld hat

Anders als die Hundehaftpflicht in einigen Ländern, ist die Pferdehalterhaftpflichtversicherung keine Pflichtversicherung. Erstaunlich, wie man sich ein Pferde leistet aber nicht die dazugehörige Versicherung (welche in Relation zu den sonstigen Kosten einen Witz ausmacht).

Halter haften immer und (fast) ohne Ausnahme


Der Halter haftet, auch wenn der Reiter keine Erlaubnis zum Ausritt bzw. zur Betreuung hatte. Es käme, in Abhängigkeit von der schwere des Verschuldens, eine Mithaftung (also Quotelung) in Betracht aber keine gänzliche Schuldfreiheit, da eine grundsätzliche Tierhalterhaftung nach §833 BGB vorliegt.

So entschied der BGH (Az. VI ZR 13/12) in seinem Urteil vom 30.04.2013 zu Lasten der Halterin, obwohl diese 500km entfernt wohnte und das verwöhnte Blag die Verfügungsgewalt über das Pferd hatte und meiner persönlichen Meinung nach selbst Schuld hat.

Das Urteil im originalen Wortlaut


BUNDESGERICHTSHOF

IM NAMEN DES VOLKES

URTEIL
VI ZR 13/12  Verkündet am:
  30. April 2013
  Holmes
  Justizangestellte
  als Urkundsbeamtin
  der Geschäftsstelle
in dem Rechtsstreit


Nachschlagewerk:  ja
BGHZ:  nein
BGHR:  ja
BGB § 833 Satz 1
a) Für  die  Erfüllung  der  tatbestandlichen  Voraussetzungen  des  § 833  Satz 1
BGB  ist  es  grundsätzlich  unerheblich,  ob  derjenige,  der  von  einem  Pferd
stürzt, mit  oder  ohne Einverständnis  des  Inhabers  der  tatsächlichen  Sach-
herrschaft reiten wollte. 
b) Dieser Umstand kann jedoch im Rahmen eines etwaigen - vom Schädiger zu
beweisenden - Mitverschuldens  im Sinne  des  § 254 BGB Berücksichtigung
finden. 

BGH, Urteil vom 30. April 2013 - VI ZR 13/12 - OLG Hamm
  LG    Dortmund
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Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung
vom 30. April 2013 durch den Vorsitzenden Richter Galke, die Richter Wellner,
Pauge und Stöhr sowie die Richterin von Pentz
für Recht erkannt:
Auf die Revision der Klägerin wird das Urteil des 9. Zivilsenats des
Oberlandesgerichts Hamm vom 25. November 2011 aufgehoben.
Die Sache wird  zur neuen Verhandlung  und Entscheidung,  auch
über  die  Kosten  des  Revisionsverfahrens,  an  das  Berufungsge-
richt zurückverwiesen.

Von Rechts wegen



Tatbestand:
Die Klägerin nimmt die Beklagten aus einem Reitunfall in Anspruch. 
Der Beklagte zu 3  ist einer der Geschäftsführer der Beklagten zu 1, die
Beklagte  zu 2  dessen  Tochter.  Die  Beklagte  zu 2,  die  ca.  500 km  entfernt  in
Berlin  lebt,  ist als Eigentümerin des Pferdes eingetragen, die  tatsächliche Ge-
walt über das Pferd übt jedoch der Beklagte zu 3 aus, der vor Ort lebt.
Die Klägerin begab sich am 8. September 2006  in die Reithalle der Be-
klagten zu 1 und versuchte, auf das Pferd "Peppermint" zu steigen. Dabei kam
sie zu Fall und erlitt eine Oberkieferfraktur sowie eine Schädelplatzwunde. Sie
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nimmt die Beklagten auf Schmerzensgeld (mindestens 20.000 €), Zahlung und
Feststellung in Anspruch.
Die Parteien haben in den Vorinstanzen neben der Frage, wer auf Seiten
der Beklagten  als Halter des Pferdes anzusehen  sei,  im Wesentlichen darum
gestritten, ob der Beklagte zu 3 sich mit einem Ritt der Klägerin auf dem Pferd
zuvor einverstanden erklärt habe und ob  ihr ein Mitverschulden an dem Unfall
anzulasten  sei, weil  sie  - unstreitig -  keine Reitkappe  trug,  eine Aufstiegshilfe
ablehnte, beim Aufsteigen eine Gerte in der Hand hielt und die Zügel nicht auf-
genommen hatte. Das Landgericht hat die ursprünglich nur gegen die Beklagte
zu 1 gerichtete Klage zunächst durch Versäumnisurteil abgewiesen. Gegen das
Versäumnisurteil hat die Klägerin (rechtzeitig) Einspruch eingelegt und die Kla-
ge auf die Beklagten zu 2 und 3 erweitert. Daraufhin hat das Landgericht sein
Versäumnisurteil aufrechterhalten und die Klage auch  im Übrigen abgewiesen.
Die  hiergegen  gerichtete Berufung  der Klägerin  hat  das Berufungsgericht  zu-
rückgewiesen. Mit der vom erkennenden Senat zugelassenen Revision verfolgt
die Klägerin ihr Klagebegehren weiter.

Entscheidungsgründe:
I.
Das Berufungsgericht hat die Klage als nicht begründet erachtet, weil die
Klägerin den Beweis nicht geführt habe, dass  ihr das Pferd durch den Beklag-
ten zu 3 zum Reiten überlassen worden sei. Deshalb könne offenbleiben, wer
auf Seiten der Beklagten als Halter des Pferdes anzusehen sei und ob der Klä-
gerin ein Mitverschulden  im Sinne des § 254 Abs. 1 BGB an dem Unfall anzu-
lasten sei.
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II.
Das  Berufungsurteil  hält  einer  revisionsrechtlichen  Überprüfung  nicht
stand. Eine Tierhalterhaftung aus § 833 Satz 1 BGB kann entgegen der Auffas-
sung des Berufungsgerichts nicht mit der Begründung verneint werden, die Klä-
gerin habe nicht bewiesen, dass  ihr das Pferd vom Beklagten zu 3 zum Reiten
überlassen worden sei.
1. Das Berufungsgericht geht zwar entsprechend dem Senatsurteil vom
9. Juni 1992 - VI ZR 49/91 (VersR 1992, 1145) zutreffend davon aus, dass der
Halter  eines Reitpferdes  dem Reiter,  der  sich  beim Sturz  vom Pferd  verletzt,
auch dann nach § 833 BGB zum Schadensersatz verpflichtet sein kann, wenn
er dem Verletzten das Pferd aus Gefälligkeit überlassen hat. Zu Unrecht sieht
das Berufungsgericht jedoch in dem "Überlassen" des Pferdes ein von der Klä-
gerin zu beweisendes Tatbestandsmerkmal des § 833 Satz 1 BGB.
a) Die Klägerin  ist durch das Reitpferd "Peppermint" an Körper und Ge-
sundheit  beschädigt  worden.  Nach  dem  revisionsrechtlich  zu  unterstellenden
Sachvortrag der Klägerin ist auch davon auszugehen, dass sich in dem Reitun-
fall eine  spezifische Tiergefahr  (als ungeschriebene Voraussetzung des § 833
BGB)  verwirklicht  hat,  die  sich  in  einem  der  tierischen Natur  entsprechenden
unberechenbaren  und  selbständigen Verhalten  äußerte  (vgl. Senatsurteil  vom
12. Januar 1982 - VI ZR 188/80, VersR 1982, 366 Rn. 13). Damit sind die Haf-
tungsvoraussetzungen des § 833 BGB gegeben. 
b) Ob die Klägerin das Pferd mit oder ohne Einverständnis desjenigen,
der die  tatsächliche Sachherrschaft über es ausübte,  reiten wollte,  ist  - wie die
Revision mit Recht  geltend macht -  für  die Erfüllung  der  tatbestandlichen Vo-
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raussetzungen des § 833 Satz 1 BGB grundsätzlich unerheblich und kann nach
der Rechtsprechung  des  erkennenden Senats  regelmäßig  nur  im Rahmen ei-
nes etwaigen - vom Schädiger zu beweisenden - Mitverschuldens im Sinne des
§ 254 BGB Berücksichtigung  finden (vgl. etwa Senatsurteil vom 17. März 2009
- VI ZR 166/08, VersR 2009, 693 Rn. 7). Die Tierhalterhaftung kann auch dann
eingreifen, wenn sich jemand einem Tier unbefugt nähert (vgl. Senatsurteil vom
3. Mai 2005 - VI ZR 238/04, VersR 2005, 1254, 1255 mwN).
2.  Allerdings  kann  nach  der Rechtsprechung  des  erkennenden  Senats
eine Haftung des Tierhalters trotz Erfüllung der tatbestandlichen Voraussetzun-
gen des § 833 Satz 1 BGB ausnahmsweise entfallen. 
Bei  der  Tierhalterhaftung  hat  der  erkennende  Senat  eine  vollständige
Haftungsfreistellung  auch  des  Tierhalters  unter  dem Gesichtspunkt  des  Han-
delns auf eigene Gefahr nur in eng begrenzten Ausnahmefällen erwogen, wenn
beispielsweise der Geschädigte sich mit der Übernahme des Pferdes oder der
Annäherung  an  ein  solches  bewusst  einer  besonderen  Gefahr  aussetzt,  die
über die normalerweise mit dem Reiten oder der Nähe zu einem Pferd verbun-
denen Gefahren hinausgeht  (vgl. Senatsurteil vom 20. Dezember 2005  - VI ZR
225/04, VersR 2006, 416 Rn. 12). Das kann etwa der Fall sein, wenn ein Tier
erkennbar böser Natur ist oder erst zugeritten werden muss oder wenn der Ritt
als solcher spezifischen Gefahren unterliegt, wie beispielsweise beim Springen
oder  bei  der  Fuchsjagd  (vgl.  Senatsurteile  vom  24. November  1954  - VI ZR
255/53, VersR 1955, 116; vom 14. Juli 1977 - VI ZR 234/75, VersR 1977, 864,
865 und  vom 19. November 1991  - VI ZR 69/91, VersR 1992, 371, 372) oder
der Geschädigte sich dem Halter  im vorwiegend eigenen  Interesse an seinem
reiterlichen Ruf mit der Bitte um Überlassung eines weigerlichen und erregten
Pferdes  geradezu  aufgedrängt  hat  (vgl. Senatsurteil  vom  13. November  1973
- VI ZR 152/72, VersR 1974, 356 f.). Das Bewusstsein der besonderen Gefähr-
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dung  ist dabei stets Voraussetzung, um ein Handeln des Geschädigten auf ei-
gene Gefahr annehmen zu können; ob unter diesem Blickpunkt die Haftung des
Tierhalters  von  vornherein  entfällt,  kann  nur nach einer umfassenden  Interes-
senabwägung  unter  Berücksichtigung  aller  Umstände  des  Einzelfalles  ent-
schieden  werden  (vgl.  Senatsurteile  vom  19. November  1991  - VI ZR  69/91,
aaO  und  vom  20. Dezember  2005  - VI ZR  225/04,  aaO Rn. 16). Eine  solche
Fallgestaltung liegt nach den Feststellungen des Berufungsgerichts jedoch nicht
vor. 
3. Nach alledem konnte das Berufungsurteil keinen Bestand haben. Die
Zurückverweisung  gibt  dem  Berufungsgericht  die  Gelegenheit,  die  erforderli-
chen Feststellungen nachzuholen. 
Galke  Wellner  Pauge

  Stöhr  von Pentz

Vorinstanzen:
LG Dortmund, Entscheidung vom 16.02.2011 - 5 O 126/09 - 
OLG Hamm, Entscheidung vom 25.11.2011 - I-9 U 38/11 - 
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Montag, 21. Oktober 2013

Wie hoch ist mein Risiko berufsunfähig zu werden?

Das kann Ihnen niemand sagen aber es gibt Durchschnittswerte, anhand derer Sie sich orientieren können. Es gibt ja das Gerüchte, dass bestimmte Berufsgruppen subventioniert werden und die Gesellschaften nur ein Interesse an den ungefährlichen Berufen haben.

Das Bauchgefühl stimmt nicht immer...


...aber manchmal eben doch! Nehmen wir zum Beispiel den Elektroingenieur (5,95% Risiko), welcher nun wahrlich kein nennenswertes Risiko hat und entsprechend gut bezahlbar ist. Jetzt mag man einwenden, dass der im Verhältnis zum Dachdecker (51,26% Risiko) weit mehr als nur 1/10 der Prämie zahlt.
Demnach wäre ja alles gut. Das Problem ist, dass die Mischung Ingenieur zu Dachdecker (oder jedwede andere Kombination) einfach nicht stimmt.

Differenzierung für den Preiswettkampf


Das stimmt, das Problem ist nur, dass die Gesellschaften versuchen immer weiter ins Detail zu gehen (vgl. Ingenieur allgemein ggü. Elektroingenieur), weil sich so bessere Preise für die beliebten Berufsgruppen kalkulieren lassen. Wodurch sich das Kollektiv (im welchen ja durch Quersubventionierung ein Ausgleich statt finden sollte) immer weiter verzerrt, weil Klein(st)kollektive gebildet werden.

Wünschenswert aber unbezahlbar

Die BU-Bedingungen haben mittlerweile einen sehr hohen Stand, weshalb hier nach unten kaum was am Preis gedreht werden kann. Leistung kostet halt Geld! Schön wären abgespeckte BU-Varianten aber die finden sich kaum, weshalb die körperlich tätigen Berufe oft auf Ersatzprodukte ausweichen müssen, z. B. Schwere Krankheiten/Dread Disease; Funktionsinvalidität/Multi-Renten; usw.
Aber hier gilt, lieber ein gutes Ersatzprodukt als gar keine Arbeitskraftabsicherung. Es muss nicht immer die Vollkasko Lösung sein, manchmal muss eben ein Kompromiss aus Leistungseinschränkung und Bezahlbarkeit her. Und mal ehrlich, welcher Dachdecker will 1.000€ BU Rente für einen 100er im Monat versichern? Ein Ersatzprodukt (und bitte keine reine Unfallversicherung!) für 50€ würde der vermutlich eher nehmen...

Sie wollen wissen was versichern können? Fragen Sie, fragen Sie am besten jetzt an.

Risiko bestimmter Beruf "BU" zu werden


Mittwoch, 16. Oktober 2013

RIY (Reduction in Yield) - Warum die sog. Effektivkostenquote aussageschwach ist

Gestern hatte ich die Diskussion mit einem Kollegen, der fälschlicherweise annahm, dass mit dieser Kennziffer ein sauberer Vergleich von Altersvorsorge Produkten möglich wäre. Angestachelt war er von Axel Kleinlein, Vorsitzender des BdV, auf dessen Artikel zur RIY in procontra er schlecht reagierte.

Ja, aber...


Das geht nur unter der Bedingung gleicher Laufzeit und ohne Kickback Vergütungen. Für beides gibt es einfache Erklärungen.

Laufzeit

Wenn wir Kosten von 2000€ auf die 100.000€ und einer Laufzeit von 1 einem Jahr unterstellen, ergibt das eine RIY (=Reduction in Yield) von 2%. (Stark vereinfacht). Wenn ich jetzt den gleichen Vertrag auf 2 Jahre strecke und ansonsten alle Parameter gleich lasse, hätte ich nur eine RIY kleines als 2% obwohl sich an den tatsächlichen Kosten nichts geändert hat.
Die RIY ist Laufzeitabhängig, was sie manipuliebar macht.

Kickbacks


Es gibt einen Innenprovision bei Fonds, welche die Versicherungen erhalten. Die Höhe variiert und ist meist abhängig von Umsatz und Performance. Einige Versicherungen gehen hin und rechnen diese nicht garantierte, schwankende Erstattung vorweggenommener Kosten wieder in ihre Modellrechnung ein. Deshalb gibt es tatsächlich Gesellschaften, welche nach Kosten ein höheres Ergebnis als vor Kosten ausweisen können.

Beispiel: Ich habe 3% effektive Kostenquote, welche ich jedes Jahr abgezogen bekomme. Aber die Versicherung rechnet großzügig 2% Kickbacks rein und schönt damit die Kostenquote auf 1%. Nebst dem Trugbild, verzerrt es zusätzlich, weil alle Zinsfunktionen exponential immer stärker werden, je höher der Multiplikator ist. Vereinfacht ausgedrückt gibt 9% mit Zinseszins deutlich mehr als das dreifache von 3% mit Zinseszins.
Die Kickbacks verzerren also leider die Modellrechnung zusätzlich und es muss händisch nachgerechnet werden.

Versicherungen

Der o. g. Artikel behandelt schon gut, dass Versicherungskosten eine unzulängliche Berücksichtigung finden. Der geneigte Leser kann das da nachlesen.

Wann hilft mir die RIY?


Bei gleichen Laufzeiten, Beiträgen und Versicherungsleistungen. Also eigentlich nie...


Und die Lösung, etwa Reduction in Wealth?


Das Thema scheint mir zzt. zu komplex als dass es zu einer endgültigen Lösung kommen kann. Die Idee von Kleinlein mit der Reduction in Wealth (=Vermögensminder) finde ich gut, denn wir setzen das im Unternehmen schon länger so um. Nicht der Weisheit letzter Schluss aber ein guter Anfang!
Bei der Reduction in Wealth (kurz RIW) werden keine Prozentwerte genutzt, die (mal ehrlich Hand aufs Herz) keine Sau versteht, es werden konkrete Verluste in Eurocent ausgewiesen. Sie wollen im Supermarkt ja auch nicht einen Preis in Relation zum Einkommen sondern einen fixen Wert haben, die Umrechnung schaffen Sie dann auch im Kopf.
Beim o. g. Beispiel wäre die Angabe nämlich bei beiden Verträgen: Reduction in Wealth = 2000€, denn 1x2000€ ist genau so viel wie 2x1000€. Den Zinsverlust mal außen vor, zum Verständnis genügtes so.

Und für die Praxis bedeutet das?


Wenn Sie eine saubere Beratung wollen, benötigen Sie jemanden, der mit Ihnen über die Kosten spricht. Und im Anschluss muss er Ihnen für das Produkt auch eine Kostenrechnung erstellen können, die mehr beinhalten sollte als die Kosten-Rechner einiger Honorarberater-Plattformen...
Dieser Service ist nicht kostenfrei zu haben, denn wer Ihnen nichts verkauft, der muss Ihnen ein Honorar berechnen. Dafür erhalten Sie endlich mal sinnvolle Antworten und der Ratschlag für bestehende Verträge muss nicht zwingend lauten, dass die Kündigung gut wäre. Ich habe so einige alte Renten- bzw. Lebensversicherungen gesehen, die mit einer steuerfreien Nachkostenrendite von etwa 4% aufwarteten, das muss man erstmal nach Steuern und Kosten erwirtschaften!

PS. Bevor einige Fragen, der Trick ist nicht die Gesamtrentabilität von Anfang an sondern die Rentabilität vom Zeitpunkt der Beratung aus. Nach Kosten (die ja in den Anfangsjahren anfallen) sieht manch eine alte Rentenversicherung dann auf einmal gar nicht so schlecht aus. Aber manch einer will Ihnen das anders verkaufen...

Dienstag, 1. Oktober 2013

Auswahl der Altersvorsorge nach Ablaufleistung ist falsch

Kommentiertes Zitat aus dem Infinma Newsletter, wobei das Zitat in kursiv steht:

Modellrechnungen für Auswahlentscheidungen ungeeignet: Matthias Wiegel (Beirat) und Geschäftsführer Dr. Mark Ortmann vom ITA Institut für Transparenz und Altersvorsorge GmbH Berlin, haben sich in procontra online vom 25.10.2012 unter dem Titel „Die Tricks mit den Modellrechnungen“ mit der  Aussagekraft von (prognostizierten) Ablaufleistungen fondsgebundener Versicherungen beschäftigt. Dabei bemängeln die Autoren vor allem, dass in den Modellrechnungen der Versicherer häufig die Kosten und Gebühren für die Kapitalanlage unberücksichtigt blieben. 

Wichtig hier, es reicht nicht nur, dass die Kosten verborgen bleiben, es müssen auch die Kickbacks eigentlich raus gerechnet werden. Manche Gesellschaften hübschen ihre Werte nämlich auch mit erreichbaren Kickbacks auf, was ja nicht Sinn der Sache sein kann.

Vergleichsrechner sind zur Auswahl ungeeignet


Im Hinblick auf vor allem im Vertrieb beliebte Vergleichsrechner stellen die beiden fest: „Die Kapitalanlagekosten und gegebenenfalls weitere Gebühren auf das Guthaben des Kunden bleiben regelmäßig unberücksichtigt. 

Oder werden teils einfach falsch dargestellt. Wenn ich 2% von meiner Rendite (1) abziehe kommt nicht das gleiche raus, wie wenn ich 2% Kostenbelastung (2) habe.

(1) EURn = EUR0 * (1+(r%-y%)
(2) EURn = EUR0 * (1+ r% * (1-y%)
Selbst ohne Verständnis der Materie sollte jeder sehen, dass nicht das gleiche raus kommen kann obwohl es sich sehr ähnlich sieht.

Die Tabellen sind getürkt


Eine Orientierung an den höchsten illustrierten Ablaufleistungen für die Auswahl der Produkte ist damit schlicht falsch.“ Das im Vergleichsprogramm mit der höheren Ablaufleistung ausgewiesene Produkt könne in Wahrheit durchaus das schlechtere Produkt sein, sofern man die tatsächlichen Ablaufleistungen beider Produkte nach Berücksichtigung auch der Kapitalanlagekosten betrachte.

Und hier wird es spannend: Denn teilweise findet man diese gar nicht, aber das ist ja Aufgabe eines guten Beraters. Auch hier sollte noch die Erstattung der Kickbacks erwähnt werden aber das hatten wir ja schon oben.
Insgesamt schätze ich die Arbeit von Dr. Ortmann sehr, denn er weiß wovon er spricht und hat super Ansätze. Und das hier ist weniger eine Kritik als eine ergänzende Anmerkung. Halten Sie also die Augen auf und legen Sie nicht doof zwei Angebote nebeneinander, denn es ist deutlich komplizierter.