Dienstag, 26. September 2017

Ist Krebs beim Chemiefachwerker eine Berufskrankheit?

Das lässt sich nicht zu 100% sagen aber doch mit hinreichender Genauigkeit bestimmen, was oft vor Gericht genügt.

Harnblasenkrebs eines Chemiefachwerkers


Ein #Chemiefachwerker ist viele Jahre lang über die Haut und Atemwege mit dem Gefahrstoff p-Chloranilin in Kontakt gekommen.
Wer das Zeug nicht kennt, die Gruppe der Chloraniline ist generell sehr gefährlich, wie selbst öffentliche Quellen wie Wikipedia veranschaulichen. Es ist zwar keine Gefahrstoff-Kategorie 1 der MAK-Werteliste, dennoch nicht gesund. Und trotz einiger Schutzmaßnahmen kam der Mann in regelmäßigen, direkten Kontakt.

Erkrankung mit 55 Jahren aber die BG lehnte die Leistung ab


Im Alter von 55 erkrankte der Mann an #Harnblasenkrebs. Das durchschnittliche Alter für Männer bei dieser Krankheit liegt aber bei 72.
Der Mann begehrte Leistung von seiner gesetzlichen Unfallversicherung aber seine Berufsgenossenschaft (vermutlich BG RCI) lehnte ab. Der Mann wehrte sich vor Gericht.

LSG Hessen verurteilt BG zur Zahlung


Das LSG Hessen hat die BG mit Urteil vom 21.02.2017 (Az. L 3 U 9/13) zur Zahlung verpflichtet. Das Urteil begründet sich im wesentlichen damit, dass ein regelmäßiger Kontakt vorlag und die Erkrankunge ungewöhnlich früh auftrat ohne dass eine familiäre Disposition dafür vorläge oder gar ein Krankheitsfall vorkam. Das Gericht formuliert, dass die Erkrankung "mit hinreichender Wahrscheinlichkeit den #Krebs verursacht hat".

Verletztenrente genügt nicht


Der Mann erhält jetzt eine Verletztenrente, was besser als nichts und mehr als seiner Erwerbsminderungsrente ist. Dennoch hat er eine Versorgungslücke. Zum einen war er krankheitsbedingt länger arbeitslos und kam selbst durch die Zurechnung - Menschen sollten in den Augen der BG vor unfreiwilliger Arbeitslosigkeit geschützt werden - nicht auf sein ursprüngliches Netto sondern auf maximal 2/3.

Wie gesagt, besser als nichts. Den vollständigen Schutz hätte er nur mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung gehabt. In diesem speziellen Fall hätte auch eine Dread Disease Versicherung geholfen. Aber um das raus zu finden, wäre eine Beratung nötig gewesen.
Wiegen Sie sich nicht in falsche Sicherheit. Eine gute Beratung kostet Sie etwas Zeit und Gehirnschmalz, dafür sichern Sie Ihre Existenz sowie die ihrer Familie richtig ab!

Mittwoch, 20. September 2017

HUK? Ach geh mit Piranhas schwimmen...

Die Haftpflichtunterstützungskasse kraftfahrender Beamter, landläufig als HUK oder auch Verbrecherband bekannt, muss mal wieder ins Klo greifen. Zum Anfang...

Was ist das Rentenwerk?


Die HUK ist einer von fünf Konsortialversicherern, welche das neue Rentenwerk bilden, die beim Sozialpartnermodell Kunden abgreifen mögen. Mehr steckt da auch nicht hinter. Ähnlich wie die HOGA (Hotel- und Gaststätten Rente), die Klinikrente oder die Metall.Rente steht hier der Versuch über den Zwang der Tarifparteien neue Kunden zu (zwangs-)generieren.



Dabei gibt es teils gute Tarife. Vermutlich, weiß ja noch keiner, da die Tarife noch nicht existieren. Eigentlich fand ich bislang nahezu alle Tarife dieser Versicherungen für die Altersvorsorge ungeeignet. Nicht unerhebliche Mengen davon würde ich sogar als im Glas eingekochte Scheiße bezeichnen, aber das sagt man ja nicht. Blöd nur, dass es in allen Bereichen mMn Anbieter gibt, die was besseres anbieten können.
Bewerben kann das Konsortium sich aber dennoch. Entscheidend ist, wer ausverhandelt was da an Renten möglich ist. Nämlich Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften, die sog. Sozialpartner. Wer aber glaubt, dass Tarifparteien ausschließlich zum Wohle der Belegschaft verhandeln und kein Schmiergeld annehmen, der glaubt auch an Donal Trumps Umweltpolitik!
Also alles zurück zum Start, das Rentenwerk wird ein weiterer Versuch Kunden zu gewinnen indem man ihnen im Bereich der Betriebsrente ein neuerliches "Friss-oder-stirb" vor die Füße wirft.

Insider Infos von einer Schulung - Das Rentenwerk von seiner wahren Seite


Warum diese fünf Anbieter? Es machen also Barmenia, Debeka, Gothaer, HUK und Stuttgarter gemeinsame Sache. Warum zum Teufel? Zwei davon müssen gerichtlich zur Zusammenarbeit mit Makler gezwungen werden, eines ist ein reiner Maklerversicherer (Stuttgarter), ein weiterer ein online Laden. Passt ja super, so deren Argumentation.
Fakt ist, dass HUK und Debeka freie Vermittler, speziell Makler, regelmäßig bekämpfen. Ich selbst musste schon rechtlich gegen beide Vorgehen, weil die den Kundenwunsch nicht respektieren wollten und mich als freien Vermittler ausgrenzen wollten. Ein traurige Geschichte, die sich seit Jahren widerholt...

Gestern war ich auf einer Schulung des Maklerpools germanbroker.net, übrigens einer der besseren Pools in Deutschland, zum Thema betriebliche Altersvorsorge, kurz bAV genannt. Dort war auch ein Vertreter vom Rentenwerk, seines Zeichens Mitarbeiter der Stuttgarter.
 Der Herr war sichtlich bemüht einen guten Eindruck zu vermitteln aber Fakt bleibt, dass er keine der kritischen Nachfragen souverän beantworten konnte. Die Probleme, die im Raum standen:

  • Tarife existieren noch nicht aber beworben wird dennoch
  • HUK & Debeka respektieren keinen Kundenschutz, wie die anderen Gesellschaften
  • HUK & Debeka arbeiten nur unter rechtlichem Zwang mit freien Vermittlern zusammen
  • HUK betreibt regelmäßig Propaganda gegen freie Vermittler u. a. mit youtube Videos & Co 
  • HUK & Debeka haben kein Makler-Extranet um die Betreuung der Kunden sicher zu stellen
  • Barmenia fällt im Bereich Altersvorsorge negativ durch einen speziellen Strukturvertrieb auf
Konkrete Antworten auf diese Vorwürfe konnte der gute Herr nicht beantworten. Aber er hatte sehr viel Wunderversprechen dabei, das würde schon alles gut werden...
Es wurde sichtlich lauter. Aber "leider, leider" reichte die Zeit nicht und der Herr musste weiter, dringend seinen Zug bekommen...

Dann ballert die HUK erneut gegen freie Vermittler


Das war also gestern. Und heute? Heute macht die HUK sich erneut zum Buhmann, weil die einen anderen online Makler verklagt, weil der ihnen nicht passt. Versucht die Unabhängigkeit in Frage zu stellen, weil Provisionen existieren und diese unterschiedlich hoch sind. Was? War das etwa zum Sachwalterurteil des BGH, wo die Unabhängigkeit des Maklers bekräftigt wurde, etwa anders? Die HUK könnte ihre Provisionen einfach mal marktüblich gesalten, dann könnte sie mit dem Feind arbeiten statt ihn ständig zu kritisieren.
Erst einen auf lieb Kind machen und dann direkt wieder so einen Mist abziehen. Klagen ist gerechtfertigt und in bestimmten Fällen die einzige Lösung. Aber dass die HUK Gespräche mit dem AfW - ein unabhängig Verband von Finanzdienstleistern, der zweitgrößte seiner Art - oder anderen Mediatoren ablehnt, zeigt wieder von welches geistiger Reife dies Kind ist.

Tut mir leid aber ich bekräftige es nochmal: Außer der Kfz-Versicherung darf man nichts zu diesem Saftladen bringen. Die HUK ist und bleibt Kuhmist, der außer billig nix drauf hat!

In der Praxis erlebe ich ständig Wehklagen der Mandaten über die HUK. Alle sind zufrieden, ist ja schön billig, bis der Schaden eintritt. Dann zeigt sich, dass billigst nicht immer die Lösung sein kann und ein qualifizierter Vermittler, der hilft, den Unterschied im Schadenfall machen kann. Voraus gesetzt der Kunde wäre im Vorfeld in der Lage alleine all seinen Bedarf korrekt zu versichern. Aber die HUK suggeriert ja auch online, dass Kunden alles alleine online lösen könnten, was in einem mehrjährigen Lehrberuf gelehrt wird... aber sich dann über andere aufregen!

Dieser Scheiß-Laden, ja Scheiß-Laden, ist selbst an online Portalen und Vergleichen beteiligt, die nicht sauber arbeiten. Aber den Zeigefinger heben. Ja ne is' kla'!

Besonderes Highlight: Der freie Vermittler bekämpfende Vorstand der HUK wird Präsident des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft, kurz GDV. Was eine tolle Zukunft uns doch allen blüht.

Exkurs: Der Zwang in der Betriebsrente muss aufhören


Ein paar sinnvolle Änderungen bzw. Förderungen bei der Betriebsrente wurden beschlossen. Aber eines der schwersten Probleme bleibt, dass der Arbeitgeber das letzte Wort hat und in die Haftung genommen wird. Beides ist falsch!
Der Arbeitgeber will sich idR nicht mit den Betriebsrenten rumschlagen. Die meisten muss man dazu nötigen, da es für sie weiteren Aufwand und weitere Haftung mitbringt. Meiner Meinung nach sollte gelten, dass wer für sein Alter vorsorgen will, das eigenverantwortlich zu tun hat. Warum da der Arbeitgeber in die Haftung genommen werden muss, ist mir ein Rätsel. Das Paradoxe ist, dass der Arbeitnehmer einen Anspruch auf Betriebsrente hat, aber der Arbeitgeber es sich dann aussuchen darf. Klar, er soll ja verantwortlich sein aber haftungsbegrenzend.
Ja zum Teufel damit, unnötig kompliziert! Dann erhöht den Förderbetrag für Riester von 2.100€ pa auf 5.000€ pa, oder gar 10.000€ pa bei Abschaffung der Betriebsrenten, und packt die Sozialversicherungsersparnis mit rein. Dann kann jeder Affe immer noch sein eigenes Süppchen kochen aber der Arbeitgeber ist aus der Nummer raus und wir hätten weniger komplizierte Regeln.
Aber auch Finanzleute brauchen ABMs zur Jobsicherung. Zum Kotzen! Aber Hauptsache das Rentenwerk lebt, eine weitere Instanz ins Dickicht bringen statt es zu lichten...

Samstag, 16. September 2017

GEW wirbt mit Krankenversicherung ohne Gesundheitsprüfung - Was ist dran?

Neulich hat mich ein Interessent auf die Seite der GEW - Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - aufmerksam gemacht, die mit einer privaten Krankenversicherung (PKV) für Lehramtsanwärter werben, die angeblich ohne Gesundheitsprüfung erfolgen soll. Klingt erstmal gut, doch was ist da dran?

Das Angebote der GEW


Auf der Homepage wirbt die GEW mit dem Abschluss einer privaten Krankenversicherung ohne Gesundheitsprüfung. So zumindest verstehen es die Verbraucher, die mich immer wieder darauf stoßen. Dem ist aber nicht so, die wichtigen Punkte habe ich markiert.


Eine Anwartschaft ist keine PKV


Die hier angebotene Versicherungs ist eben KEINE vollwertige private Krankenversicherung ohne Gesundheitsprüfung. Es ist lediglich eine Anwartschaftversicherung. Die Anwartschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie den späteren Wechsel in die PKV ermöglicht ohne dass neue Prüfungen statt finden. Ein Eintrittsversprechen, mehr nicht.
ABER wer schon zum Zeitpunkt der Anwartschaft krank (also versicherungstechnisch nicht versicherbar) ist, der bekommt auch keine Anwartschaft. D. h. er bekommt auch als Lehramtsanwärter keine PKV ohne Gesundheitsprüfung. Denn bei der Beantragung der Anwartschaft findet eine vollumfängliche Risikoprüfung der Antragsfragen statt.
Der damals Gesunde könnte als heute Kranker versichert werden, hätte er das damals voraus gesehen und eine entsprechende Zusatzversicherung abgeschlossen (<10 -="" 10="" ahnung="" also="" am="" beitrag="" ber="" denn="" der="" echt="" es="" f="" g="" gebrechen="" gegen="" gepennt="" hat="" hnte="" immun.="" in="" ist="" jahren="" jungen="" kann="" keine="" kunde="" liegen="" mit="" nicht="" nstig.="" oder="" onat="" r="" sich="" span="" style="color: #38761d;" typisch="" unter="" vermittler="" w="">Eigentlich ist die Anwartschaft eine Pflicht bei jedem jungen Menschen, der Lehrer werden will.
Sollte schon während des Studiums abgeschlossen werden. Denn Sinn verstehen auch die Eltern und übernehmen notfalls den Beitrag.

Die DBV macht keine falschen Versprechen




Folgt man dem o. g. Link, landet man auf einer Infoseite der DBV, Deutsche Beamtenversicherung. Sie ist der Rahmenvertragspartner und bietet verschiedene, teils echt empfehlenswerte, Kombinationen für Lehrer an.
Aber wer sich den Link anschaut, der wird feststellen, dass hier nirgends mit "ohne Gesundheitsprüfung" geworben wird. Alles nur ganz normale Informationen, die eine ganz normale Risikoprüfung mit Antragsfragen voraus setzen.

In der Tiefe patzt die DBV / AXA doch!


Bitte wieder auf den Link achten. Und hier auf den letzten Satz. Na, kommt Ihnen das bekannt vor?


Das kann ja nicht wahr sein! Auf den Unterseiten versteckt die AXA / DBV schon wieder eine Phrase, die so nicht zu halten ist und lediglich Interessenten in die Beratung locken soll. Clickbait pur!

Es ist einfach nicht wahr, dass jeder garantiert aufgenommen wird. Im Abschnitt davor werden die Bedingungen ja ausführlich dargelegt. Wer krank war bekommt keine Anwartschaft, bekommt keine PKV ohne Gesundheitsprüfung.
Die hier angesprochene Garantie gibt es modifiziert, allerdings mit Risikozuschlag und Ausschluss diverser, teils wichtiger Bausteine (z. B. Beihilfeergänzung). Und die bekommt kein Lehramtsanwärter, die gibt es erst ab Beamter auf Probe, vorher nicht!

Wie bekommt ein Kranker eine PKV ohne Gesundheitsprüfung?


Legal gar nicht, tut mir sehr leid. Es gibt natürlich ein paar Mittel und Wege aber der garantierte Erfolg kommt für Lehrer frühestens ab Beamter auf Probe. Ansonsten gilt nur eine Anwartschaft abschließen und in den sauren Apfel beißen, dass bis dato die gesetzliche Krankenkasse zu zahlen ist. Was nicht zielführend, nein sogar schädlich ist:

  • Auf eigene Faust Anträge bei Gesellschaften stellen
  • Verschiedene Vermittler zum gleichen Thema beauftragen
  • Krankenhistorie nicht aufarbeiten
  • Dubiosen Internetquellen vertrauen
Der einzige Weg trotz Gebrechen vlt. an Schutz zu geraten, ist über einen qualifizierten Vermittler, der die Krankengeschichte aufbereitet und verschiedene Gesellschaften prüft. Nur das hat Hand und Fuß, alles andere ist Casino. Kann gut gehen, wird es aber meist nicht.

Was die GEW wirklich leistet?


Nicht viel. Aber definitiv weniger als die im Netz behaupten. Dazu einfach die Mail von heute Mittag lesen, die mir direkt von der AXA / DBV gesandt wurde.

Quizfrage: 
Würden Sie auf 25% Ihres Lohns verzichten, damit jemand anders 1,5% Rabatt bekommt? 

Vermutlich nicht, also belästigen Sie Ihren Vermittler nicht damit, wenn er sich wirklich Arbeit machen musste!


Die GEW muss die Seite dringend anpassen


Meine Kritik geht explizit an die GEW. Jedes halbe Jahr, wenn die neuen Lehramtsanwärter kommen, habe ich ein halbes Dutzend (+/-) Anfragen, welche mich auf diese Seite verweisen. Das ist scheiße, denn offenkundig kommt die Information nicht so an wie sie soll. Ich mag hoffen, dass es nur eine unglückliche Formulierung ist. Aber spätestens der AXA / DBV Clickbait lässt mich an ein gewisses System glauben.