Dienstag, 17. Juli 2018

Muss die PKV ihre Beitragsanpassungen rückgängig machen?

Auf mittlere und lange Sicht nicht, also scheißegal...

... nur um es mal klar zu sagen! Beruflich werde ich ja ständig gefragt was mit den Beitragsanpassungen (BAP) der privaten Krankenversicherung (PKV) ist und ob das noch im Alter bezahlbar ist. Darum soll es hier nur indirekt klären, denn die Bezahlbarkeit hängt von Alter, Gesundheitszustand und den Tarifbausteinen ab, lässt sich also nicht pauschalisieren. Was aber geht ist über die BAPs zu sprechen, denn Beitragsanpassungen wird es geben. Ja muss es geben, denn Medizin wird schließlich nicht günstiger. Außerdem leben wir länger. Und manch ein billiger Dreckstarif ist unterkalkuliert, damit er zumindest anfangst bei den Rennlisten ganz oben steht. Eigentlich eine gute Taktik, denn die Kaputten können nicht mehr raus, womit sie zur Zahlung horrender Beiträge verdammt sind. Und die Gesunden? Die gehen zum Wettbwerb, wo der Spaß vermutlich von vorne anfängt...

Aber die AXA hat doch unerlaubt die BAP gemacht, oder nicht?

Ja, nein, jein. Das ist noch strittig. Denn da hat so ein komischer Anwalt aus Berlin Namens Pilz erfolgreich vor dem Langericht Postdam geklagt, dass die BAP der AXA ungültig sei, weil deren Treuhänder abhängig sei. Seitdem wird das Thema fast wöchentlich von irgendeinem Schmierblatt aufgegriffen, zuletzt vom Fachmagazin "Versicherungswirtschaft heute". Dort stehen aber ein paar interessante Dinge, die es zu beleuchten gilt.

ZDF- Zahlen, Daten, Fakten

Es gibt 44 PKVen und nur 16 Treuhänder, welche im Schnitt drei Mandate haben, teils bis zu zehn. Diese werden von der BaFin streng (?) geprüft. Teils sind es auch ehemalige Aktuare von den Versicherungen. Und was bei Aufsichtsräten oder Politikern geht, kann bei Mathematikern ja nur undenkbar sein, right? Selten so eine Scheiße gelesen! Um dahin zu kommen wo diese Leute stehen, hat man einen langen, steinigen und brutal gut bezahlten Weg hinter sich. Der Abgang eines Senior-Versicherungsmathematikers (sog. Aktuar), von denen es schätzungsweise 5000 gibt, ist vergleichbar mit dem Tod des Generalstabs einer Armee! Diese Menschen kennen ALLE Geheimnisse einer Versicherungskalkulation inklusive der konkreten Tarif- und Kohortendaten. Der Wettbewerb würde extrem einfach, wenn man die Schwachstellen seine Wettbewerber kennen würde, weshalb das sehr gefragte Personen sind. Unter anderem daran erkennbar, dass eigentlich immer und überall Aktuare gesucht werden. Und dieser Club elitärer Treuhänder soll nun abhängig sein? Wer ein nennenswertes sechsstelliges Gehalt mit diversen Zusatzeinkünften hat ist vieles, vermutlich aber nicht mehr abhängig. Warum sonst haben Versicherungen denn sonst Angst von ihrem Treuhänder abserviert zu werden und gewähren denen teils höchst unerwünschte Privilegien? Angebot und Nachfrage scheint hier nicht zu gelten. Der Autor des Artikels sieht das leicht anders, glaubt aber dass ein Schaden am Kunden gleichzeitig ein Sieg des Verbraucherschutzes sein kann. Absurd, dennoch schließt er seinen Artikel so ab.

Was zu Lasten der Versicherten geht, kann in meinen Augen NIE ein Verbraucherschutz sein!

Dem Kunden nützt der Streit aber nichts!

Aber selbst wenn die abhängig wären, was ich nicht glaube, dann würde das dem Kunden nichts nutzen. Im Artikel hat er mehrfach eine schöne Erkenntnis gehabt: Selbst wenn die Beitragsanpassungen aufgrund einer Formalie nichtig wären, so wären sie sachlich dennoch begründet, denn die Mehrkosten verschwinden nicht aufgrund eines formellen Fehlers!
Will also meinen, dass es natürlich sein kann, dass die BAP rückgängig gemacht wird. Nur würde das fiese Kosten verursachen. Dann würde die korrekte BAP gerechnet, inklusive der neuen, fiesen Kosten. Ich kenne kein Modell der Welt, wo ich mit zusätzlichen Kosten günstiger fahre also ohne diese. Totgeburten wie der Gesundheitsfonds zeigen das eindrucksvoll... Selbst die Argumentation, dass die Versicherungen das Geld erstmal aus Eigenmitteln aufbringen müssen zieht nicht, denn wo kommen diese denn her? Bei einem VVaG (Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit) kommt es direkt von den Mitgliedern bzw. den Überschüssen, welche die Gesellschaft erzielte. Und bei der AG kommt es von den Aktionären. Sind diese etwa humanitär unterwegs oder wollen die knallharten Profit? Damit wären die Folgen auch hier Mehrkosten, Entlastungen und Leistungskürzungen für die Versicherten, oder etwa nicht? Wer kann das wollen?

Enttäuschende Erkenntnis

Es gibt kein Geld für die BAP zurück!

Selbst wenn die Kritiker vor dem BGH Recht bekämen, dann wäre es ein Phyrussieg. Am Ende zahlt der Versicherte drauf und hat außer Aufwand und Rechtskosten nichts bewirkt. Dass ein Rechtsanwalt wie Herr Pilz sich darüber freut ist klar, bringt aber dem Versichertenkollektiv genauso wenig wie dem Einzelnen. Es würde höchstens teurer. Das hat der Autor im Artikel schön heraus gestellt.

Was ist also die Lösung?

Eine gute Beratung, die in einem anständigen Tarif mündet, der nicht aus dem Billigsegment kommt. Dazu noch zusätzlicher Vorsorge, wahlweise auch innerhalb der PKV und schön wird die Laube. Aber wer hier am falschen Ende spart, der landet dann halt irgendwann vor Gericht. Es entbehrt schon nicht einer gewissen Ironie, dass vor allem die Vorstände von PKV mit Billigtarifen (Central KEH, HanseMerkur KVE, Hallesche Primo, AXA EL-Bonus etc.) Angst vor dieser Entwicklung haben...

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